Preisträgerinnen und Preisträger der Promotionspreise 2020

Die Promotionspreise der Studienstiftung gehen 2020 an den Chemiker Michael Kathan und den Japanologen Harald Kümmerle. Die Nachwuchswissenschaftler erhalten je 5.000 Euro für ihre mit Bestnote abgeschlossenen Arbeiten. Die Freunde und Förderer der Studienstiftung und die Theodor Pfizer Stiftung tragen die Preisgelder.

Die Jury des Friedrich Hirzebruch-Preises für Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften prämiert Michael Kathans Erforschung neuer chemischer Konzepte, in denen Lichtenergie eingesetzt wird, um beispielsweise die Synthese und Materialbeschaffenheit von Kunststoffen zu steuern.

Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften geht an Harald Kümmerle für seine Dissertation zur Institutionalisierung der Mathematik als Wissenschaft im Japan der Meiji- und Taishō-Zeit, die einen wichtigen Beitrag zur Japanologie sowie zur globalen Wissen(schaft)sgeschichte leistet.

Für die Promotionspreise 2020 wurden insgesamt 65 Projekte eingereicht. Voraussetzung für die Bewerbung ist eine mit „summa cum laude“ oder „Auszeichnung“ bewertete Promotion. Über die Vergabe der Preise entscheiden zwei Jurys aus namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Die beiden Promotionspreise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert und werden im Rahmen einer Preisverleihung am 22. Juni 2020 in Berlin verliehen. Die Freunde und Förderer der Studienstiftung und die Theodor Pfizer Stiftung tragen die Preisgelder.

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

Mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis werden herausragende Arbeiten im Bereich der Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften ausgezeichnet. Benannt ist der Preis nach dem 2012 verstorbenen Bonner Mathematiker und langjährigen Ehrenmitglied des Kuratoriums der Studienstiftung, finanziert wird er durch die Theodor Pfizer-Stiftung.

Preisträger 2020: Dr. Michael Kathan

Michael Kathan wird für seine Dissertation Photoswitching Reactivity: From remote-controlled to light-driven chemical systems im Fach Chemie an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis 2020 ausgezeichnet.

In innovativer Weise nutzt er Licht als Werkzeug, um den Verlauf chemischer Reaktionen kontrollieren und Materialeigenschaften steuern zu können. Dreh- und Angelpunkt der Dissertation von Michael Kathan ist die Entwicklung des Konzeptes der „Photo-Umpolung“, bei der das chemische Verhalten von Molekülen durch das dosierte Bestrahlen mit Licht verschiedener Farben grundlegend verändert werden kann. Die Jury hob in ihrer Begründung hervor, dass es Kathan in beeindruckender Weise gelänge, den Bogen von den physikochemischen Grundlagen über die Herstellung intelligenter Materialien bis hin zu neuen, nachhaltigen Konzepten zu spannen, die gesellschaftlich relevante Fragen aufgreifen. So eröffnet seine Forschung den Zugang zu kostengünstigen Sensormaterialien, die etwa den Frischezustand leicht verderblicher Lebensmittel anzeigen. Der lichtgesteuerte Auf- und Abbau von Kunststoffmaterialien verspricht zudem Fortschritte im Bereich des nachhaltigen Recyclings von Mischungen verschiedener Plastikprodukte.

Michael Kathan studierte Chemie an der Freien Universität Berlin und ETH Zürich. Nach seinem Masterabschluss an der Freien Universität Berlin begann er, gefördert durch die Studienstiftung, seine Doktorarbeit 2015 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit dem Abschluss seiner Dissertation im Januar 2019 arbeitet Michael Kathan als Postdoktorand an der Universität Groningen, Niederlande. Kathans Forschung führte bereits zu mehreren Publikationen in einschlägigen Fachmedien.

Jury des Friedrich Hirzebruch-Promotionspreises 2020

  • Prof. Dr. Guido Clever, Chemie, Dortmund
  • Prof. Dr. Olaf Dössel, Medizintechnik, Karlsruhe
  • Prof. Dr. Dorothea Fiedler, Molekulare Pharmakologie, Berlin
  • Prof. Dr. Martin Grepl, Mathematik, Aachen
  • Prof. Dr. Nadine Große, Mathematik, Freiburg
  • Prof. Dr. Inke König, Psychologie, Lübeck
  • Prof. Dr. Hansjörg Küster, Geobotanik, Hannover
  • Prof. Dr. Sascha Schäfer, Physik, Oldenburg
  • Prof. Dr. Julia Tjus, Physik, Bochum

Johannes Zilkens-Promotionspreis

Der Johannes Zilkens-Promotionspreis wird für exzellente Dissertationen in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften verliehen. Benannt ist er nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten der Studienstiftung und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Studienstiftung, dem Verein, der den Anstoß zur Vergabe der Promotionspreise der Studienstiftung gab und das Preisgeld trägt.

Preisträger 2020: Harald Kümmerle

Harald Kümmerle erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für seine Dissertation Die Institutionalisierung der Mathematik als Wissenschaft im Japan der Meiji- und Taishō-Zeit, die er in der Japanologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg anfertigte.

Seine Arbeit zeichnet die Entwicklung des Faches Mathematik in Japan zwischen 1868 und 1926 nach und trägt zur Erklärung der dynamischen Modernisierung der japanischen Gesellschaft bei. Kümmerles Forschung beeindruckte die Jury durch die Breite und Vielfalt der erschlossenen Quellen: von Selbstzeugnissen über Vorlesungsmitschriften und Publikationen bis hin zu statistischem Material. Weiterhin hob die Jury hervor, dass die Analyse einen eindrucksvollen Brückenschlag zwischen Mathematik, Japanologie und Sozialwissenschaften herstelle. Dank der hohen mathematischen wie philologischen Kompetenz Kümmerles werde die erforderliche Übertragungsleistung zur Etablierung der Mathematik als Wissenschaft in Japan herausgearbeitet. Die Jury würdigte insbesondere die von Kümmerles Arbeit ausgehenden wichtigen Impulse zur Weiterentwicklung der Japanologie sowie, darüber hinaus, für das Verständnis der Entwicklung von Wissenschaftsstandorten und der Organisation von Wissenstransfer.

Harald Kümmerle studierte von 2006 bis 2011 Mathematik an der Technischen Universität München und nahm von 2011 bis 2013 am Japanprogramm der Studienstiftung teil, das er mit einem Doppelmaster an der Keio University Tokio sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg abschloss. Ebenfalls in Halle nahm Kümmerle ab 2013 sein Dissertationsprojekt auf, das er im Januar 2019 verteidigte. 2014 /2015 verbrachte Kümmerle als Research Fellow an der Keio University Tokio. Sowohl während seines Studiums als auch während der Promotion erhielt er ein Stipendium der Studienstiftung. 2019 forschte und lehrte Kümmerle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft und Japanologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie als Postdoc-Stipendiat am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokio. Seit Anfang 2020 hat Kümmerle hier eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter inne.

Jury des Johannes Zilkens-Promotionspreises 2020

  • Prof. Dr. Marc-Aeilko Aris, Latinistik, München
  • Prof. Dr. Astrid Franke, Amerikanistik, Tübingen
  • Prof. Dr. Ulrike Freitag, Islamwissenschaft, Berlin
  • Prof. Dr. Tina Freyburg, Politikwissenschaften, St. Gallen
  • Prof. Dr. Regina Grundmann, Judaistik, Münster
  • Prof. Dr. Jens Kleinschmidt, Jura, Trier
  • Prof. Dr. Christoph Möllers, Jura, Berlin
  • Prof. Dr. Kristina Musholt, Philosophie, Leipzig
  • Prof. Dr. Heike Paul, Amerikanistik, Erlangen
  • Prof. Dr. Farzad Saidi, VWL, Boston
  • Prof. Dr. Alexander Schmidt, Geschichte, Jena
  • Prof. Dr. Eva-Maria Seng, Kunstgeschichte, Paderborn

Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen Jahre

Promotionspreise 2019

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis: Dr. Jan Vogelsang

Jan Vogelsang wird für seine Dissertation Ultrafast Point-Projection Electron Microscopy im Fach Physik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Vogelsang entwickelt in seiner Arbeit eine neue experimentelle Methode, mit der sich ultraschnelle Prozesse auf Nanometerlängenskala abbilden lassen. So nutzt er Elektronenpulse, die nur wenige Femtosekunden dauern, um, ähnlich wie bei der Blitzlicht-Fotografie, den temporären Zustand einer Nanostruktur festzuhalten. Die Jury würdigte dies als wissenschaftlichen Durchbruch.

Vogelsangs Entwicklung eines neuartigen Elektronenmikroskops verschiebe deutlich die zeitliche und räumliche Auflösung des bisher Messbaren. Die von ihm erprobte Methodik verspricht neue Einsichten in die Physik schneller Prozesse auf der Nanoskala, die etwa die Entwicklung neuer Halbleiterelektronik erlauben und zu einem weitergehenden Verständnis der Dynamik von Biomolekülen führen können. Vogelsangs Forschung führte bereits zu mehreren Publikationen in einschlägigen Fachmedien sowie zwei Patenten.

Jan Vogelsang absolvierte von 2007 bis 2010 seinen Bachelor Physik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg sowie seinen Master an der Ludwig-Maximilians-Universität München (2010 bis 2012). Für seine Promotion, für die er von der Studienstiftung gefördert wurde, kehrte er anschließend nach Oldenburg zurück. Seit dem Abschluss seiner Dissertation im Oktober 2017 arbeitet Jan Vogelsang als Postdoktorand an der Universität Lund, Schweden. Für seine Forschungsarbeit wurde ihm das renommierte Marie-Skłodowska-Curie-Stipendium der Europäischen Kommission zugesprochen.

Hier finden Sie ein Videoporträt von Jan Vogelsang.

Die Jury des Friedrich Hirzebruch-Promotionspreises 2019

  • Prof. Dr. Julia Elisabeth Bandow, Biologie, Bochum
  • Prof. Dr. Guido Clever, Chemie, Dortmund
  • Prof. Dr. Petra Döll, Geographie, Frankfurt/Main
  • Prof. Dr. Martin Grepl, Mathematik, Aachen
  • Prof. Dr. Christian Hackenberger, Chemie, Berlin
  • Prof. Dr. Margarete Imhof, Psychologie, Mainz
  • Prof. Dr. Hannah Markwig, Mathematik, Tübingen
  • Prof. Dr. Jochen Musch, Psychologie, Düsseldorf
  • Prof. Dr. Sascha Schäfer, Physik, Oldenburg

Johannes Zilkens-Promotionspreis: Dr. des. Jana Matuszak

Jana Matuszak erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für ihre Dissertation „Und du, du bist eine Frau?!" Untersuchungen zu sumerischen literarischen Frauenstreitgesprächen nebst einer editio princeps von "Zwei Frauen B, die sie im Fach Altorientalische Philologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen anfertigte. Mit ihrer Arbeit hat sie erstmals ein literarisches Streitgespräch in sumerischer Sprache erschlossen, das zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. in Babylonien verfasst wurde. Die Jury würdigte Matuszaks Dissertation als bedeutenden Beitrag zur Grundlagenforschung in ihrem Fach sowie zur Weiterentwicklung der Editionstechnik sumerischer Texte.

Darüber hinaus gelinge Matuszak mit ihrer Promotion der Brückenschlag zu breiteren literatur- und kulturwissenschaftlichen Diskursen, etwa der Dialog- und Genderforschung. Diese interdisziplinären Perspektiven, die Jana Matuszak in ihrer Analyse geschickt miteinander verknüpft, eröffnen nicht nur neue Zugänge zu alten Texten und unterstreichen deren fortdauernde Aktualität, sondern bieten zudem wichtige Impulse für weitere Forschungsbereiche über die Altorientalische Philologie hinaus.

Jana Matuszak studierte von 2007 bis 2013 Altorientalische Philologie, Vorderasiatische Archäologie und Religionswissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen, wo sie von 2014 bis 2017 auch promovierte. 2009/2010 verbrachte sie einen einjährigen Studienaufenthalt an der School of Oriental and African Studies (SOAS) University of London. Sowohl während ihres Studiums als auch während der Promotion erhielt Matuszak ein Stipendium der Studienstiftung. Matuszak wurde für ihre Dissertation bereits mit dem Promotionspreis der International Society of Assyriology ausgezeichnet. Seit September 2018 forscht und lehrt Matuszak an der SOAS University of London.

Hier finden Sie ein Videoporträt von Jana Matuszak.

Die Jury des Johannes Zilkens-Promotionspreises 2019

  • Prof. Dr. Marc-Aeilko Aris, Latinistik, München
  • Prof. Dr. Marietta Auer, Jura, Gießen
  • Prof. Dr. Sibylle Baumbach, Anglistik, Innsbruck
  • Prof. Dr. Ulrike Freitag, Islamwissenschaft, Berlin
  • Prof. Dr. Wolfram Kinzig, Theologie, Bonn
  • Prof. Dr. Georg Krücken, Soziologie, Kassel
  • Prof. Dr. Christoph Möllers, Jura, Berlin
  • Prof. Dr. Heike Paul, Amerikanistik, Erlangen
  • Prof. Dr. Irene Rapp, Linguistik, Tübingen
  • Prof. Dr. Farzad Saidi, VWL, Stockholm
  • Prof. Dr. Alexander Schmidt, Geschichte, Jena
  • Prof. Dr. Eva-Maria Seng, Kunstgeschichte, Paderborn
  • Prof. Dr. Gottfried Vosgerau, Philosophie, Düsseldorf

Promotionspreise 2018

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

Jessica Fintzen, Ph.D., wird für ihre Dissertation „On the Moy-Prasad filtration and stable vectors“ im Fach Mathematik an der Harvard University in Cambridge, USA, mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Jessica Fintzens Arbeit knüpft an weitreichende Vermutungen an, die der kanadische Mathematiker Robert Langlands Ende der 1960er Jahre formuliert hat. Sie verbinden Zahlentheorie mit der Darstellungstheorie algebraischer Gruppen und bilden die Grundlage für ein bedeutsames aktuelles Forschungsgebiet in der Mathematik. In ihrer Dissertation konnte die Preisträgerin neue Erkenntnisse über die Objekte auf der Seite der Darstellungstheorie gewinnen. „Jessica Fintzen beschäftigte sich mit zwei wichtigen Teilgebieten der Mathematik, deren volles Verständnis tiefgreifende Auswirkungen auf unser tägliches Leben haben könnte, zum Beispiel in der Datenverschlüsselung“, so die Jurorin Professor Dr. Mila Majster-Cederbaum. Die Preisträgerin habe sich schwieriger Fragen zu sogenannten kleinen Primzahlen angenommen und international beachtete Durchbrüche erzielt.

Jessica Fintzen, Ph.D., studierte von 2008 bis 2011 Mathematik und Physik an der Jacobs University Bremen und promovierte anschließend bis 2016 an der Harvard University in Cambridge, USA. Seit dem Abschluss ihrer Promotion war sie als Postdoctoral Assistant Professor an der University of Michigan, USA, tätig sowie als Junior Research Fellow am Trinity College der University of Cambridge in Großbritannien. Derzeit hat sie eine Postdoc-Position am Institute for Advanced Study, einem Forschungsinstitut in Princeton, USA, inne.

Der Johannes Zilkens-Promotionspreis

Kathrin Wittler erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für ihre Dissertation „Morgenländischer Glanz. Eine deutsche jüdische Literaturgeschichte (1750-1850)“ im Fach Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrer Arbeit untersucht sie eine beeindruckende Bandbreite der deutschen jüdischen Literatur der Jahrzehnte um 1800 unter der Fragestellung, welche Bedeutung der Orientalismus in dieser Zeit der politischen, sozialen, aber auch semantischen Umbrüche für literarische Selbst- und Fremdzuschreibungen hatte. „Damit liefert Kathrin Wittler die Grundlage für eine Revision geläufiger Annahmen über die Umbruchszeit um 1800 und erschließt neue Perspektiven auf die Literaturgeschichte jener Zeit“, erläutert die Jury ihre Entscheidung. Mit großer Souveränität und einer außerordentlichen Sprachenkenntnis habe die Autorin ein gewaltiges Textkorpus auf äußerst anspruchsvolle Weise aufbereitet. „Dabei ist die Arbeit nicht zuletzt glänzend geschrieben und wird, weil im besten Sinne interdisziplinär hoch informiert, weit über die Literaturwissenschaft hinaus Beachtung und Anerkennung finden“, so die Jury.

Kathrin Wittler studierte von 2005 bis 2011 Deutsche Literatur und Regionalstudien Asien/Afrika an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo sie anschließend bis 2016 am Institut für deutsche Literatur promovierte. An der Humboldt-Universität war sie zunächst als Postdoktorandin im Rahmen der Exzellenz-Initiative tätig. Seit März 2017 arbeitet sie am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Promotionspreise 2017

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

Dr. Kai Schuchmann wird für seine Dissertation „A hydrogen-dependent CO2 reductase: enzyme properties, applications and implications for the energy metabolism of the acetogenic bacterium Acetobacterium woodii“ im Fach Biologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Schuchmann greift in seiner Arbeit zwei der zentralen Probleme in der Nutzung erneuerbarer Energien auf, nämlich deren Speicherung und Transport.

Die Jury sprach ihm den Preis für die Entwicklung eines Verfahrens zu, mit dem sich die Energie des molekularen Wasserstoffs als flüssiger Brennstoff kompakt speichern lässt. Möglich wird dies durch eine enzymatische Umwandlung in Bakterien. Schuchmann beschreibt in seiner Arbeit, wie ein Enzymkomplex in sogenannten acetogenen Bakterien den Energieträger Wasserstoff in die Flüssigkeit Ameisensäure umsetzt. Der von Schuchmann identifizierte Enzymkomplex ist zudem in der Lage, die Rückwärtsreaktion – also die Freisetzung von Wasserstoff – zu vollziehen. Die Aufklärung des Mechanismus dieses Bio-Katalysators eröffnet den Weg zu einer biotechnologischen Alternative, Wasserstoff in flüssiger und beförderbarer Form zu speichern und konventionelle Batterien zu ersetzen. In seiner Arbeit identifiziert Schuchmann zudem ein weiteres Enzym, mit dem sich das Spektrum möglicher Ausgangsstoffe der Energiegewinnung auf Kohlenmonoxid ausdehnen lässt, das als Abgas in vielen industriellen Prozessen anfällt.

Johannes Zilkens-Promotionspreis

Dr. Christiane Bürger erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für ihre Arbeit „Kolonialgeschichte(n). Das koloniale Namibia in der Geschichtsschreibung der DDR und BRD“, mit der sie 2015 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promoviert wurde. Bürger kann zeigen, dass die Geschichte des kolonialen Namibias und die Auseinandersetzung mit dem deutschen Völkermord an den Herero und Nama bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und vor allem während der deutschen Teilung ein in BRD und DDR gleichermaßen vielbeforschtes und in unterschiedlichen Medien – etwa Fachbüchern, Romanen und Fernsehsendungen – kontrovers verhandeltes Thema war.

Ihre Arbeit bricht zudem mit dem gängigen Forschungsparadigma einer deutsch-deutschen Systemkonkurrenz und zeigt die komplexen wissenschaftlichen Verflechtungen zwischen beiden deutschen Staaten auf. Mit der Auszeichnung würdigt die Jury einen wichtigen Beitrag, die gegenwärtig anhaltende Forschungsdebatte zu historisieren. Auch zeigte sich das Auswahlgremium beeindruckt von der Themenwahl. Bürger habe eine Arbeit vorgelegt, deren gesellschaftliche Relevanz über die Grenzen Deutschlands hinaus reiche.

Promotionspreise 2016

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

Dr. Felix Günther wird für seine Dissertation „Discrete Riemann Surfaces and Integrable Systems“ im Fach Mathematik an der Technischen Universität Berlin mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Felix Günther entwickelt in seiner Arbeit einen neuen Zugang zu einer diskreten Form der klassischen komplexen Analysis, die auch außerhalb der Mathematik Anwendung findet – von der theoretischen Physik bis hin zu Computergrafiken. In der Anwendung kommen überwiegend Simulationen zum Einsatz, die ihrerseits auf der sogenannten Diskretisierung beruhen, also dem Übergang von der Analysis zu einer Theorie, die nur mit endlich vielen Zahlen rechnet. Aufbauend auf einer originellen Zerteilung von Flächen fand Felix Günther in seiner Arbeit eine Methode, mit der sich die Resultate der klassischen komplexen Analysis in einem erheblich größeren Umfang als bisher in die Welt der diskreten Mathematik übersetzen lassen.

Johannes Zilkens-Promotionspreis

Dr. David Kästle-Lamparter erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für seine Arbeit „Welt der Kommentare: Struktur, Funktion und Stellenwert juristischer Kommentare in Geschichte und Gegenwart“, mit der er 2014 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster promoviert wurde. Kästle-Lamparter analysiert in seiner Arbeit erstmals eine zentrale, als Gegenstand der Forschung bisher wenig beachtete Textgattung der Rechtswissenschaften: den Kommentar. Die Dissertation erschließt und typologisiert die „Kommentarlandschaft“, die zudem einem epochenübergreifenden historischen Vergleich unterzogen wird. So kann Kästle-Lamparter zeigen, wie der Kommentar durch juristische Diskurse geprägt wird und seinerseits auf die Diskurse zurückwirkt.

Promotionspreise 2015

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

Dr. Katharina Broch wird für ihre Dissertation "Interplay of ordering behavior and optical properties in organic semiconductor blends" im Fach Physik an der Eberhard Karls Universität Tübingen mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Katharina Broch untersucht in ihrer Doktorarbeit auf molekularer Ebene die Funktionsmechanismen organischer Halbleiter und liefert erstmals eine systematisch vergleichende Studie, die sich mit dem Einfluss der Eigenschaften der reinen Materialien auf die der Mischung auseinandersetzt.

Johannes Zilkens-Promotionspreis

Dr. Gregor Feindt erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für seine Arbeit "Auf der Suche nach politischer Gemeinschaft - Oppositionelles Denken zur Nation im ostmitteleuropäischen Samizdat" an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit seiner Dissertation zum Konzept der "Nation" in der Publizistik des Untergrund in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn leistet Feindt einen wichtigen Beitrag zur Ideengeschichte Ostmitteleuropas.

Promotionspreise 2014

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

2014 ging der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis an Dr. Manuel Kleiner für seine Dissertation "Metabolism and evolutionary ecology of chemosynthetic symbionts from marine invertebrates" im Fach Biologie am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie. Manuel Kleiner hat in seiner Doktorarbeit einen neuen biochemischen Mechanismus entdeckt, durch den Meereswürmer in Zusammenarbeit mit Kommensalbakterien Energie aus dem toxischen Gas Kohlenmonoxid gewinnen können.

Johannes Zilkens-Promotionspreis

Der Johannes Zilkens-Preis 2014 ging zu gleichen Teilen an:

Dr. Maximilian Preisser erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für seine Arbeit "Sovereign Wealth Funds - Entwicklung eines umfassenden Konzepts für die Regulierung von Staatsfonds" an der Bucerius Law School Hamburg. Maximilian Preisser erstellt in seiner Dissertation ein detailliert ausgearbeitetes Regulierungskonzept, das sich in die jüngst geschaffene Kapitalmarktaufsichtsstruktur der EU einfügt und deren Regelungsmechanismen nutzt. Obwohl Staatsfonds mehr als das dreifache Volumen aller Hedge-Fonds verwalten, blieben sie bislang rechtlich weitgehend unerforscht.

Dr. Wolfgang Filser widmet sich in seiner Dissertation "Die Elite Athens auf der attischen Luxuskeramik" im Fach Klassische Archäologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München der bemalten Luxuskeramik des archaischen und klassischen Athens. Die Analyse der Werke verbindet sich mit einer sozio- und kulturhistorischen Interpretation der Darstellungen auf den Keramiken selbst. Untersucht wird u.a., inwieweit die Luxuskeramik als Resultat und Ziel einer Selbstvergewisserung der Elite Athens in den Zeiten eines gesellschaftlichen und politischen Wandels fungiert.