Preisträgerinnen der Promotionspreise 2026

Die Promotionspreise der Studienstiftung 2026 gehen an die Biologin Dr. Margareta J. Hellmann, die Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Julia Lemp und die Kunsthistorikerin (Dr. des.) Freya Schwachenwald. Die Preise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert. Damit ehrt die Studienstiftung zum 13. Mal exzellente Dissertationen und lädt zur öffentlichen Preisverleihung am 1. Juni 2026 in Berlin ein.

„In diesem Jahr zeichnet die Studienstiftung mit ihren Promotionspreisen erstmals drei Wissenschaftlerinnen aus. Unter Anwendung exzellenter methodischer Ansätze adressieren sie hochaktuelle Probleme sowie Fragestellungen und liefern qualitativ herausragende Ergebnisse, die über die akademische Forschung hinaus eine breite praktische Anwendung finden“, so Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung.

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis 2026: Dr. Margareta J. Hellmann, Biologie

Dr. Margareta J. Hellmann erhält den Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis der Studienstiftung 2026 für ihre Dissertation im Fach Biologie an der Universität Münster. In ihrer Arbeit Influence of cell wall modifications by chitin deacetylases in Cryptococcus neoformans on the human immune response untersucht Hellmann die Infektionsstrategie des weltweit verbreiteten Pilzes Cryptococcus neoformans, der vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem schwerste Entzündungen in Lunge und Gehirn auslösen kann.

WeiterlesenWeiterlesen

Jährlich infizieren sich allein 150.000 AIDS-Patient:innen mit Cryptococcus neoformans, von denen 110.000 versterben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat daher Cryptococcus neoformans vor kurzem als den kritischsten pilzlichen Erreger für die globale menschliche Gesundheit eingestuft. Bereits seit längerem ist bekannt, dass sich der Pilz bei der Infektion eines Tricks bedient: Die typischen Zellwände von Pilzen enthalten Chitin, ein Zuckerpolymer, das auch in den Panzern von Insekten und Krebsen vorkommt. Vermutet wird, dass das menschliche Immunsystem dieses Chitin als ein Alarmsignal erkennt, das einen feindlichen Erreger anzeigt. Cryptococcus neoformans ist insofern ungewöhnlich, als dass dieser Pilz vier spezifische Enzyme (CnCDAs 1-4) besitzt, die das Chitin in seiner Zellwand in andere Zuckerpolymere, die Chitosane, umwandeln. Die Hypothese liegt nahe, dass diese Chitosane weniger effizient vom menschlichen Immunsystem erkannt werden – sie also gleichsam als pilzlicher Tarnumhang fungieren.

In ihrer Arbeit geht Hellmann dieser Hypothese nach und erforscht die Chitosane in Cryptococcus neoformans genauer, um zu verstehen, wie sie dem Pilz helfen, eine Immunantwort zu vermeiden. Mithilfe neuester Analysemethoden untersucht sie sowohl die verantwortlichen Enzyme (CnCDAs) und deren Produkte im Pilz als auch die humanen Enzyme und Rezeptoren zur Spaltung bzw. Erkennung von Chitin und Chitosanen im menschlichen Körper. Die mit dieser neuen Methodik gewonnenen Ergebnisse stützen die Chitosan-Hypothese, lassen neue Rückschlüsse auf die Interaktion zwischen Erreger und Mensch zu und können für die Verbesserung von Therapien und die Entwicklung von Impfstoffen gegen eine Cryptococcus-Infektion wertvoll sein. Da auch andere, pflanzenbefallende Pilze diese Tarnstrategie nutzen, hat ein verbessertes Verständnis der biologischen Rolle von pilzlichen Chitosanen nicht nur Relevanz in der Biomedizin, sondern auch in Pflanzenschutz und Landwirtschaft.

Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury von dem integrativen Ansatz, mit dem es Hellmann gelang, die Rolle von Chitosanen als immunologischen „Tarnumhang“ des Pilzes Cryptococcus neoformans erstmals umfassend zu entschlüsseln. „Ihre Arbeit liefert überzeugende Einblicke in das Zusammenspiel pilzlicher Enzyme und menschlicher Immunmechanismen und erklärt damit einen zentralen Faktor für den hohen Infektionserfolg dieses von der WHO als kritisch eingestuften Erregers. Ihre Ergebnisse – die exzellent publiziert wurden – eröffnen neue Perspektiven für die Entwicklung von Therapien und Impfstoffen. Sie besitzen darüber hinaus auch Relevanz für Pflanzenschutz und Landwirtschaft“, so die Jury in ihrer Begründung.

Nach einem Bachelorstudium in Biowissenschaften und einem Masterstudium in Biotechnologie an der Universität Münster promovierte Hellmann ebenfalls in Münster in den Bereichen Biotechnologie und Enzymatik. Von Februar bis Mai 2023 war sie Gastwissenschaftlerin an der Duke University in Durham / USA. Während ihres Studiums sowie ihrer Promotion wurde sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Seit Juli 2024 setzt Hellmann ihre Forschung als Postdoktorandin an der Universität Münster fort und arbeitet dort an einem eigenen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt.

Lieselotte Pongratz-Promotionspreis 2026: Dr. Julia Lemp, Öffentliches Gesundheitswesen

Die Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Julia Lemp erhält den Lieselotte Pongratz-Promotionspreis 2026 für ihre Dissertation in Öffentlichem Gesundheitswesen am Heidelberg Institute of Global Health der Universität Heidelberg. In ihrer Arbeit Lifestyle Interventions in Primary Healthcare: A Path to Cardiometabolic Disease Prevention untersucht sie, wie Lebensstilprogramme, die Menschen bei der Änderung ihrer Gewohnheiten in Bezug auf ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Alkoholkonsum unterstützen, in der Praxis umgesetzt werden, welche Hürden bestehen und welchen Nutzen diese Programme für die Gesundheit haben.

WeiterlesenWeiterlesen

Für ihre Studie analysiert Lemp Lebensstilprogramme in England und Thailand. Anhand von Routinedaten aus über einem Fünftel aller Hausarztpraxen in England gelingt es ihr, zu zeigen, dass weniger als die Hälfte der Patient:innen mit Bluthochdruck, Übergewicht oder erhöhten Blutfettwerten Angebote zur Lebensstiländerung erhielten. Für Thailand beleuchtet sie in einer standardisierten Befragung unter Patient:innen, medizinischem Personal sowie Entscheidungsträger:innen, dass Beratungsangebote für Bluthochdruckpatient:innen zwar vorhanden sind, ihre Qualität und Zugänglichkeit aber stark variieren. Im zentralen Teil ihrer Arbeit analysiert Lemp den Nutzen des englischen Diabetes-Präventionsprogramms National Health Service Diabetes Prevention Programme, das Menschen mit erhöhten Blutzuckerwerten über mehrere Monate hinweg bei gesünderer Ernährung und mehr Bewegung unterstützt. Mithilfe quasi-experimenteller Methoden – statistischer Ansätze, die den Zufallseffekt einer randomisierten Studie nachbilden – kann sie zeigen, dass eine Programmteilnahme dazu führt, dass sich Langzeitblutzucker, Körpergewicht, Body-Mass-Index sowie Blutfette deutlich verbessern. Sie liefert damit einen Beleg, dass ein Diabetes-Präventionsprogramm nicht nur in streng kontrollierten Studien, sondern auch im Versorgungsalltag wirksam ist. Insgesamt veranschaulicht ihre Dissertation, dass Lebensstilprogramme in der Praxis zwar auf organisatorische, soziale und strukturelle Hürden stoßen, doch – wenn sie gut umgesetzt sind und breit zugänglich gemacht werden – nachweislich zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit beitragen können.

„Frau Lemp zeigt in ihrer Dissertation im Bereich Global Health in drei methodisch exzellenten, äußert umfassenden und extrem gut publizierten Arbeiten (unter anderem Nature), dass weniger als die Hälfte der Patienten in der Primärversorgung mit Hypertonie, Adipositas oder Hyperlipidämie eine Lebensstilberatung erhalten“, so die Jury. Diese Beratungsangebote und Lebensstilinterventionen zu Ernährung und Bewegung seien zwar vielerorts (auch beispielsweise in Thailand) vorhanden, aber begrenzte personelle und zeitliche Ressourcen, mangelndes Monitoring, das Fehlen standardisierter Abläufe etc. verhinderten den Einsatz. Gleichzeitig zeige Lemp, dass eine Lebensstilintervention (Bewegung und Ernährung) den Langzeitblutzucker bzw. das kardiovaskuläre Risiko signifikant verbessern. Die Arbeit sei von direkter praktischer Relevanz für das gesamte Gesundheitswesen und das Thema treffe den Zeitgeist in der Medizin und Psychologie.

An ihr Bachelorstudium in Psychologie an der Universität Mainz schloss Lemp ein Masterstudium in Psychologie an der Universität Heidelberg mit einem Auslandsjahr an der University of Massachusetts / USA im Bereich Sozialpsychologie an. Anschließend promovierte sie mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes am Heidelberg Institute of Global Health der Universität Heidelberg. Seit März 2024 ist sie Postdoktorandin am Centre for Addiction and Mental Health in Toronto / Kanada.

Johannes Zilkens-Promotionspreis 2026: (Dr. des.) Freya Schwachenwald, Kunstgeschichte

Freya Schwachenwald erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis der Studienstiftung 2026 für ihre Dissertation im Fach Kunstgeschichte an der TU Berlin. In ihrer Arbeit Visions of the East. German-speaking artists and photographers in East Asia, 1850s–1870s untersucht Schwachenwald die Werke deutschsprachiger Künstler und Fotografen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Ostasien reisten, und beleuchtet Reisebilder als Knotenpunkte imperialer Macht- und Wissensordnungen.

WeiterlesenWeiterlesen

In der deutschen Kunstgeschichte gelten Reisebilder oft als objektive Abbilder ferner Länder. Schwachenwald zeigt in ihrer Studie, dass diese Bilder weder neutral noch zufällig entstanden, sondern in politischen Kontexten geschaffen, verbreitet und rezipiert wurden und bestimmte Vorstellungen von Wissen, Kunst und Macht weitertrugen. Untersucht werden Reisebilder aus einem Zeitraum des 19. Jahrhunderts, der durch Kolonialismus, Kriege und Staatenbildung von tiefgreifenden politischen Umbrüchen geprägt war. Die Studie stützt sich auf Gemälde, Fotografien, Reiseberichte und amtliche Dokumente, die im Rahmen diplomatischer Missionen nach China, Japan und Siam von begleitenden Künstlern und Fotografen, aber auch auf individuellen Reisen angefertigt wurden.

Anhand der analysierten Bilder zeigt Schwachenwald die Bezüge zwischen der Herstellung eines deutschen Nationalbewusstseins und der Konstruktion „Asiens“ als eigenem Kultur- und Wissensgebiet. Die untersuchten deutschsprachigen Künstler und Fotografen stützten sich auf weiße, männliche Heldenbilder und konstruierten das „Asiatische“ als ornamental. Sie setzten hierarchische Maßstäbe, die unter anderem Körperbilder und Geschlechtervorstellungen beeinflussten. Zugleich zeigt die Arbeit die Widersprüche des Mythos heroischer Pionierleistungen durch die Rekonstruktion von Abhängigkeiten, Vorlagen und Zuarbeiten lokaler Künstler und Netzwerke. Die Reisebilder endeten nicht mit der Reise: Theater, Museen, Literatur und Kritik schrieben die Bilder fort und trugen zu einer Verbreitung rassifizierender Ideen bei. Indem die Studie die Überlieferungs- und Sammlungskultur der Museen kritisch hinterfragt und methodisch erschließt, liefert sie Impulse für Erinnerungskultur und Archivarbeit. 

„In dieser Arbeit legt akribische Archivarbeit die Grundlage für einen exzellenten wissenschaftlichen Beitrag von hoher gesellschaftlicher Relevanz“, so die Jury in ihrer Begründung. Es handle sich um eine Arbeit von durchgängig höchster wissenschaftlicher Qualität. Neben Skizzen, Aquarellen, Fotografien und Druckgrafik habe Schwachenwald vor allem auch weitgehend unpublizierte Archivquellen recherchiert und für ihre Fragestellung erschlossen. Methodisch überzeugend wende sie theoretisches Werkzeug aus Nachbardisziplinen der Kunstwissenschaft (Soziologie, Geschichte, Postcolonial Studies) auf genuin kunsthistorische/kunstwissenschaftliche Gegenstände und Prozesse – nämlich Bildproduktion und -analyse – an und komme damit zu beeindruckenden Ergebnissen: „Nicht zuletzt mündet der solcherart geschärfte Blick auf Asienbild und zeitgenössische Asienwahrnehmung in einer Historisierung des aktuellen (europäischen) Asienbilds und stellt nicht nur kunstwissenschaftliche Lesarten und Stereotypen in Frage.“

Schwachenwald studierte Europäische Medienkultur im Doppelabschluss Bachelor / Licence an der Bauhaus-Universität Weimar und in Lyon sowie Transcultural Studies (Global Art History) an der Universität Heidelberg. Forschungsaufenthalte während ihres Masters und ihrer Promotion brachten sie nach Yale, Stanford und an das National Museum of Singapore. Für ihre Doktorarbeit wurde sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Seit Juli 2024 ist sie wissenschaftliche Volontärin bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin-Brandenburg im Bereich Schlösser und Sammlungen.

Zusammensetzung der Jurys für die Promotionspreise 2026

Um die Promotionspreise 2026 bewarben sich insgesamt 72 ehemalige Promotionsgeförderte der Studienstiftung. Die drei Jurys, die über die Vergabe entschieden, waren mit insgesamt 22 namhaften Wissenschaftler:innen besetzt.

WeiterlesenWeiterlesen

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis der Studienstiftung für herausragende Arbeiten im Bereich der Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften

  • Prof. Dr. Mareike Fischer, Mathematik, Greifswald
  • Prof. Dr. Jan Philipp Hofmann, Materialwissenschaft, Darmstadt
  • Prof. Dr. Katja Susanne Just, Pharmakologie, Aachen
  • Prof. Dr. Anne-Kristin Kaster, Biotechnologie, Karlsruhe
  • Prof. Dr. Erich Runge, Physik, Ilmenau
  • Prof. Dr. Pierre Stallforth, Chemie, Jena

Lieselotte Pongratz-Promotionspreis der Studienstiftung für herausragende Arbeiten im Bereich der Gesellschaftswissenschaften

  • Prof. Dr. Jörn Ahrens, Soziologie, Gießen
  • Prof. Dr. Oliver Christ, Psychologie, Hagen
  • Prof. Dr. Ute Klammer, Sozialpolitikforschung, Duisburg
  • Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa, Psychologie, Ulm
  • Prof. Dr. Hanna Pfeifer, Politikwissenschaft, Hamburg
  • Prof. Dr. Frank Piller, Wirtschaftswissenschaften, Aachen
  • Prof. Dr. Henrike Rau, Sozialgeographie, München
  • Prof. Dr. Klaus Ulrich Schmolke, Rechtswissenschaft, Mainz
  • Prof. Dr. Bettina Stepanek, Rechtswissenschaft, Bonn

Johannes Zilkens-Promotionspreis der Studienstiftung für herausragende Arbeiten im Bereich der Geisteswissenschaften

  • Prof. Dr. Eve-Marie Becker, Evangelische Theologie, Münster
  • PD Dr. Christoph Begass, Geschichte, Heidelberg
  • Prof. Dr. Isabelle Dolezalek, Kunstgeschichte, Berlin
  • Prof. Dr. Anne Kraume, Romanistik, Konstanz
  • Prof. Dr. Simon Meier-Vieracker, Linguistik, Dresden
  • Prof. Dr. Michael Reder, Philosophie, München
  • Prof. Dr. Schamma Schahadat, Slawistik, Tübingen

Über die Promotionspreise der Studienstiftung

Die Studienstiftung vergibt in den Sparten Geisteswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften sowie Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften drei mit jeweils 5.000 Euro dotierte Promotionspreise. Die Preisgelder aller drei Promotionspreise trägt der Verein Freunde und Förderer der Studienstiftung des deutschen Volkes e. V. 

Der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis wird seit 2014 für exzellente Dissertationen aus der Mathematik, den Natur- und den Ingenieurwissenschaften vergeben. Der Lieselotte Pongratz-Promotionspreis wird seit 2022 an Nachwuchswissenschaftler:innen verliehen, die herausragende Forschungsergebnisse in den Gesellschaftswissenschaften erzielen konnten. Der Johannes Zilkens-Promotionspreis wurde von 2014 bis 2021 für herausragende Dissertationen aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften verliehen. Seit Einführung des Lieselotte Pongratz-Promotionspreises 2022 wird er für Dissertationen aus den Geisteswissenschaften ausgelobt.

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

Der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis für exzellente Dissertationen in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurwissenschaften erinnert an den Bonner Mathematiker Friedrich Ernst Peter Hirzebruch (1927–2012). Er war Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Mathematik in Bonn und ist bekannt für seine wegbereitenden Arbeiten in der modernen algebraischen Geometrie unter Anwendung topologischer Methoden.

Der Studienstiftung und ihren Stipendiat:innen war Hirzebruch sehr verbunden – insgesamt achtmal hat er als Dozent auf Sommerakademien mitgewirkt; er war zudem langjähriger Gutachter in der Doktorandenauswahl, Kuratoriumsmitglied und drei Jahre lang stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender, später Ehrenmitglied im Kuratorium.

WeiterlesenWeiterlesen

Nach seinem Studium der Mathematik an der Universität Münster und der ETH Zürich sowie seiner Promotion als 22-Jähriger in Zürich arbeitete Hirzebruch an den Universitäten Erlangen und Princeton. Bereits zu dieser Zeit erlangten seine Forschungen internationale Anerkennung. 1955 habilitierte er sich an der Universität Münster. 1956 erschien seine Habilitationsschrift Neue topologische Methoden in der Algebraischen Geometrie. Nach einer weiteren Station am Institute for Advanced Study in Princeton erhielt er 1956 einen Ruf an die Universität Bonn, der er bis zu seiner Emeritierung 1993 treu blieb. 1982 wurde er Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Mathematik in Bonn.

Seit 1957 veranstaltete Hirzebruch in Bonn eine jährliche Arbeitstagung für den wissenschaftlichen Austausch, die internationale Koryphäen in Bonn zusammenbrachte. Dieser Austausch, die Förderung junger Menschen und das Aufbauen von Netzwerken waren ihm stets ein Anliegen. 1961 und abermals 1990 war er Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. Ihm gelang es in dieser Funktion, Mathematiker:innen in Ost- und Westdeutschland nach dem Mauerbau miteinander in Kontakt zu bringen und nach der Wiedervereinigung zusammenzuführen.

Hirzebruch wurde für seine Forschungen in den Gebieten Geometrie und Topologie vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern, dem Wolf-Preis in Mathematik, dem japanischen Seki-Takakazu-Preis, der russischen Lomonossow-Goldmedaille, der Albert-Einstein-Medaille und der Georg-Cantor-Medaille der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. Er wurde in fast alle deutschen und zahlreiche internationale Akademien aufgenommen. Ehrendoktorwürden wurden Hirzebruch von den Universitäten Warwick, Göttingen, Oxford, Wuppertal, Notre Dame, Trinity College / Dublin, Athen, Potsdam, Konstanz und Augsburg verliehen.

„Wir haben mit ihm einen großartigen Menschen, Wissenschaftler und Organisator verloren, dem die Stipendiaten und überhaupt die Jugend sehr am Herzen gelegen hat“, sagte Prof. Dr. Carl-Friedrich Bödigheimer, langjähriges Vorstandsmitglied der Studienstiftung und Fachkollege von Hirzebruch an der Universität Bonn, anlässlich seines Todes 2012.

Lieselotte Pongratz-Promotionspreis

Die Hamburger Soziologin und Kriminologin Lieselotte Pongratz (1923–2001) ist Namensgeberin für den 2022 eingeführten gleichnamigen Promotionspreis, mit dem die Studienstiftung herausragende Dissertationen in den Gesellschaftswissenschaften auszeichnet.

„Mit dem neuen Promotionspreis erinnern wir an unsere Alumna Lieselotte Pongratz, die sich als ausgezeichnete Wissenschaftlerin verdient gemacht hat und mit ihrer Bildungsbiografie für die Initiative und Hartnäckigkeit unserer Geförderten steht. Lieselotte Pongratz' Wirken ist von einer hohen Sensibilität für soziale Ungleichheiten geprägt“, würdigte Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung, die Wissenschaftlerin 2022.

WeiterlesenWeiterlesen

Pongratz wurde 1973 Professorin für Soziologie und 1975, als dritte Frau in Deutschland, Professorin für Kriminologie an der Universität Hamburg.

In ihrer Forschung befasste sie sich unter anderem mit der Straffälligkeit von Kindern, mit der Entwicklung von Jugendlichen aus sozialen Randgruppen sowie mit der Sozialisation von Kindern von Prostituierten. Wichtig war ihr der Transfer der Erkenntnisse in die Gesellschaft – etwa im Beirat einer Strafvollzugsanstalt, wo Häftlinge im Überleitungsvollzug durch sozialpädagogische Begleitung auf die Entlassung vorbereitet werden sollten. Pongratz setzte sich außerdem dafür ein, dass Forschungsarbeiten der Sozialpädagogik und Sozialarbeit auch in den Studienplänen der Medizin, Sozial- und Rechtswissenschaften Eingang fanden. Ende der 1970er Jahre wirkte Pongratz maßgeblich an der Gründung des Aufbaustudiums Kriminologie mit, das in seiner interdisziplinären Ausrichtung die Grundlage für die erste Diplom-Ausbildung für Kriminologie in der Bundesrepublik bildete. Bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1986 forschte und lehrte sie in Hamburg.

Pongratz musste auf ihrem eigenen Bildungsweg Hürden überwinden: Da ihr Vater, von Beruf Buchdrucker, zur Zeit des Nationalsozialismus 1933 aus politischen Gründen seine Stellung bei einem Zeitungsverlag verlor und während ihrer Schulzeit mehrere Jahre arbeitslos war, blieb Lieselotte Pongratz der Zugang zu einer höheren Schule aus finanziellen Gründen verwehrt. Pongratz erwarb ihre Hochschulzugangsberechtigung mit 31 Jahren über die Begabtenabiturprüfung, die Personen ohne Abiturzeugnis den Weg an die Universität öffnete. Ab 1954 studierte sie Soziologie, Kriminologie, Jugendstrafrecht und Psychologie in Hamburg, von 1956 bis 1962 war sie Stipendiatin der Studienstiftung und konnte in diesem Zuge auch einen Auslandsaufenthalt an der London School of Economics verwirklichen.

Von 1969 bis 1973 wirkte Pongratz als Vertrauensdozentin der Studienstiftung. Auch nach ihrer Emeritierung förderte Lieselotte Pongratz den wissenschaftlichen Nachwuchs und setzte sich mit der Gründung einer Stiftung dafür ein, dass Studierende und Promovierende der Kriminologie und der sozialen Arbeit ihre Forschungsprojekte erfolgreich beenden.

Johannes Zilkens-Promotionspreis

Nach dem Kölner Mediziner und Kinderarzt Dr. Johannes Zilkens (1917–2011) ist der gleichnamige Promotionspreis für exzellente Forschungsarbeiten in den Geisteswissenschaften benannt.

Zilkens war der Studienstiftung über Jahrzehnte hinweg verbunden: Von 1956 bis 1996 unterstützte er die Arbeit als Mitglied im Auswahlausschuss, von 1958 bis 1996 begleitete er die Stipendiat:innen als Vertrauensdozent in Köln. Von 1980 bis 1995 war er zudem Mitglied des Vorstands, seit 1983 in der Position des Vizepräsidenten, und von 1996 bis zu seinem Tod im Jahr 2011 Ehrenpräsident der Studienstiftung. Er hat an zahlreichen Auswahlverfahren und als Dozent an Sommerakademien der Studienstiftung teilgenommen.

WeiterlesenWeiterlesen

1980 gründete Zilkens den Verein der Freunde und Förderer der Studienstiftung des deutschen Volkes e. V., deren langjähriger Vorsitzender er war. Der Verein unterstützt die Arbeit der Studienstiftung in vielfältiger Weise, etwa indem er verschiedene Förderlinien und Programmelemente, zum Beispiel die Teilnahme von Geförderten mit Kindern an besonderen Veranstaltungen und Auslandsaufenthalten durch das Programm Kinderleicht, (ko-)finanziert.

Zilkens war 1986 ebenso Mitbegründer der Theodor-Pfizer-Stiftung, die die Förderarbeit der Studienstiftung unterstützt.

1991 erhielt Zilkens das Große Verdienstkreuz, 1995 als erste Person die Daidalos-Medaille der Studienstiftung.

Bereits 2012 hat der Verein der Freunde und Förderer der Studienstiftung e. V. Preise für Promotionen im Bereich Wissenschaftsgeschichte unter dem Namen Johannes Zilkens-Promotionspreis vergeben. Seit 2014 vergibt die Studienstiftung den Preis gemeinsam mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis, seit 2022 zusammen mit dem Lieselotte Pongratz-Promotionspreis.

Kontakt

Dr. Lars Korten
Team Promotionsförderung
E-Mail: promotionspreis(at)studienstiftung(dot)de