Finalistin 2025: Muska Ahmadsei, Afghan University of Medical Sciences
Perspektive für afghanische Medizinstudierende: „Frauen in Afghanistan – trotz aller Widrigkeiten – eine medizinische Ausbildung zu ermöglichen, ist ein Grundbaustein für die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen vor Ort.“
In Sorge vor dem kompletten Zusammenbruch des afghanischen Gesundheitssystems und um Medizinstudent:innen in Afghanistan eine Zukunftsperspektive zu eröffnen, rief Anfang 2023 eine Gruppe von internationalen Ärzt:innen und Studierenden die Afghan University of Medical Sciences ins Leben. Ziel der Initiative ist es, afghanischen Medizin- und Zahnmedizinstudentinnen trotz des landesweiten Universitätsverbots für Frauen eine medizinische Ausbildung bzw. die Fortführung ihres Studiums durch Online-Unterricht zu ermöglichen. Ärzt:innen und Dozierende vermitteln die theoretischen Inhalte des Studiums digital. Der praktische Unterricht erfolgt in Praxen afghanischer Ärzt:innen und ehemaligen Kliniken in Kabul, die nach den politischen Veränderungen in Afghanistan nicht mehr offiziell als Krankenhäuser betrieben werden.
Muska Ahmadsei promoviert derzeit im Rahmen ihres Medizinstudiums an der LMU München. Die 26-Jährige ist seit 2017 Stipendiatin der Studienstiftung.
Zusammen mit anderen Engagierten gründete sie im Januar 2023 die Afghan University of Medical Sciences.
Interview mit Muska Ahmadsei
Liebe Frau Ahmadsei, was ist das Ziel der Afghan University of Medical Sciences?
Wir sind die Afghan University of Medical Sciences, eine Initiative, die Anfang 2023, unmittelbar nach dem erlassenen Hochschulverbot für Frauen in Afghanistan, von internationalen Ärzt:innen und Studierenden gegründet wurde. Unser Ziel ist es, afghanischen Zahn- und Humanmedizinstudentinnen die Fortsetzung ihres Studiums trotz der bestehenden Restriktionen zu ermöglichen. Durch kostenlosen Online- Unterricht mit internationalen Dozierenden konnten wir bereits über 700 Studentinnen eine fundierte medizinische Online-Weiterbildung bieten. Derzeit nehmen etwa 100 von ihnen auch an der praktischen Ausbildung teil – mit stetig wachsender Zahl. Für diese nutzen wir neben einer zentralen Lehrklinik in Kabul private Praxen afghanischer Ärzt:innen. Die Ärzt:innen vor Ort finden den Weg in unser Projekt über persönliche Netzwerke und Mund-zu-Mund-Empfehlungen. Unsere Arbeit ist eine ständige Gratwanderung: Die „de facto-Autoritäten“ tolerieren unsere Präsenz nur, weil wir uns offiziell auf Ausbildungen für Pflegeberufe (Krankenschwestern, Hebammen) für die Versorgung von Frauen beschränken, die von dem umfassenden Bildungsverbot für Frauen ausgenommen sind. Zudem ist eine strikte politische Neutralität – keine Wertungen, keine Parteinahme – zugleich Voraussetzung und Garant für unsere Akzeptanz vor Ort. Neben unserer Online- Lehre ist für unsere praktische Ausbildung vor Ort unsere dezentrale Struktur von großem Wert. So kann weiterhin praktisch gelehrt werden – selbst dann, wenn Kontrollen einzelne Einrichtungen vorübergehend unnutzbar machen.
„Das Gefühl der Verantwortung und der Wunsch nach einer Verbesserung der Situation in Afghanistan treiben mich in meiner Arbeit an. Den afghanischen Frauen müssen wir in diesen düsteren Zeiten zur Seite stehen und ihnen durch Taten zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben. Wir wollen Veränderungen anstoßen, die von der Gesellschaft mitgetragen werden und so langfristig und nachhaltig die Lage der Menschen in Afghanistan und ganz besonders der Frauen verbessern.“
Warum engagieren Sie sich? Was war Ihre bislang prägendste Erfahrung im ehrenamtlichen Engagement?
Bildung ist der Schlüssel zur Veränderung. Frauen in Afghanistan – trotz aller Widrigkeiten – eine medizinische Ausbildung zu ermöglichen, ist ein Grundbaustein für die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen vor Ort – und letztlich auch für die Zukunft des Landes. Eine meiner prägendsten Erfahrungen war zu sehen, wie Studentinnen durch unser Programm Hoffnung und eine Perspektive zurückgewinnen.
Was sind die nächsten Projektziele der Afghan University of Medical Sciences?
Unser Ziel für die kommenden Monate ist die Optimierung der technischen Infrastruktur. Fehlende oder instabile Internetverbindungen sowie die unzureichende technische Ausstattung der Studentinnen sind derzeit unsere größten Probleme. Diese Defizite sollen durch die Anschaffung weiterer Computer in unserer zentralen Lehrklinik und den gezielten Ausbau unserer Offline-Hubs behoben werden, die wie Offline- Bibliotheken funktionieren: Sie speichern Lernmaterialien (Videos, Skripte etc.) und aktualisieren sie automatisch, sobald eine Internetverbindung besteht. Die Studentinnen können die Inhalte dann offline über ihre Smartphones oder Tablets abrufen – ohne WLAN oder mobiles Internet. Langfristig streben wir an, mehr Interessierte flächendeckend erreichen und den praktischen Unterricht auch in anderen Städten anbieten zu können.
Wie können Personen die Arbeit der Afghan University of Medical Sciences unterstützen?
Sie können uns mit Ihrer Expertise oder einer Spende unterstützen – beispielsweise tragen 20 Euro zur anteiligen Finanzierung des Internetzugangs eines vollen Monats in der zentralen Lehrklinik bei, 60 Euro ermöglichen den Kauf von Lehrmaterialien und 400 Euro finanzieren einen Laptop für eine Studentin.
Für ihren Einsatz zeichnet die Studienstiftung des deutschen Volkes Muska Ahmadsei als Finalistin im Rahmen des Engagementpreises 2025 aus.
Weitere Informationen, Kontakt und Spendenmöglichkeit
- Kontakt: Muska Ahmadsei, E-Mail: muska-ah(at)hotmail(dot)de
- Spendenkonto: Kontoinhaber: Afghan Women Support, IBAN: CH23 0900 0000 1544 3411 1, BIC: POFICHBEXXX (PostFinance AG), Verwendungszweck: Unterstützungsaufruf Studienstiftung. Schreiben Sie bitte eine E-Mail an uns, wenn Sie eine Spendenbescheinigung wünschen. Eine Nachweispflicht via Spendenbescheinigung ist beim Finanzamt erst für Spenden ab 300 Euro nötig.
- Spendenplattform: Mit der E-Mail-Adresse info(at)afghanwomensupport(dot)ch via Paypal
- Website: www.afghanums.com
- Social Media: Instagram
Stand: Mai 2025

