Finalistin 2025: Greta Wessing, I Have Rights e. V.
Rechtsberatung von Geflüchteten: „Ich engagiere mich, weil Wegsehen nie wieder eine Option sein darf.“
I Have Rights e. V. ist eine deutsch-griechische Menschenrechtsorganisation, die sich durch individuelle Rechtsberatung für Asylsuchende, gezielte Advocacy- und Öffentlichkeitsarbeit auf deutscher und europäischer Ebene sowie strategische Prozessführung für sichere und legale Zugangswege zu einem fairen und menschenwürdigen europäischen Asylsystem einsetzt. Durch die Verbindung der Arbeit mit Geflüchteten an den europäischen Außengrenzen sowie Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit in Deutschland will der Verein in die Zivilgesellschaft wirken, um an eine humane, offene und menschenrechtskonforme europäische Asylpolitik zu appellieren.
Greta Wessing hat im September 2024 ihren LL.M. in Human Rights, Conflict and Justice an der SOAS University of London beendet, zuvor Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt im Völker- und Europarecht an der HU Berlin studiert. Von 2018 bis 2022 und 2023 bis 2024 wurde die 26-Jährige von der Studienstiftung gefördert.
Bereits 2021 wurde sie als Finalistin der Engagementpreise der Studienstiftung für ihr Engagement für die Refugee Law Clinic Berlin ausgezeichnet, aus der heraus sie zusammen mit sechs Mitstreiter:innen im Januar 2022 den Verein I Have Rights e. V. gründete. Dort ist sie als Vorstandsmitglied insbesondere für das Finanzmanagement verantwortlich.
Interview mit Greta Wessing
Liebe Frau Wessing, was ist das Ziel von I Have Rights e. V.?
Auf der griechischen Insel Samos sind in einem sogenannten Closed Controlled Access Centre über 4.000 Schutzsuchende unter haftähnlichen Bedingungen untergebracht – isoliert, überwacht und systematisch vom Zugang zu grundlegenden Lebensnotwendigkeiten abgeschnitten. Schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen sind dabei an der Tagesordnung. Mit I Have Rights e. V. kämpfen wir seit 2021 dafür, dass das „Modell Samos” – und mit ihm die schrittweise Aushöhlung rechtsstaatlicher Prinzipien und demokratischer Werte – nicht zum Vorbild für ganz Europa wird. Als deutsch-griechische Menschenrechtsorganisation ermöglichen wir Geflüchteten auf Samos kostenlosen Zugang zu unabhängigen Rechtsinformationen und unterstützen sie bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Gleichzeitig stellen wir uns mit strategischer Prozessführung und Advocacy-Arbeit entschieden einer Politik entgegen, die Entrechtung zur Methode macht.
„Vielleicht ist es Angst vor dem, was kommt, wenn gesellschaftliche Gruppen diskriminiert und ihnen fundamentale Rechte strukturell verwehrt werden, die mich in meinem Engagement antreibt. Aber Angst ist kein guter Motivator, sie lähmt. Deswegen ist mein stärkster Motivator wohl Wut. Wut darüber, dass es keine sicheren und legalen Wege für Geflüchtete über das Mittelmeer gibt, sodass Menschen gezwungen sind, gefährliche Routen zu nutzen, auf denen sie sterben, verletzt oder ausgebeutet werden. Und Wut über die gesellschaftliche Apathie angesichts all dessen.“
Warum engagieren Sie sich?
Was mich antreibt? Angst und Wut. Angst vor dem, was kommt, wenn gesellschaftliche Gruppen dämonisiert und ihnen fundamentale Rechte systematisch verwehrt werden. Wut, weil Entrechtung zur Methode wird – politisch gewollt und gesellschaftlich geduldet. Nach Samos zu blicken bedeutet, Europas Selbstbild als Hüterin der Menschenrechte infrage zu stellen. Genau deshalb engagiere ich mich – weil Wegsehen nie wieder eine Option sein darf.
Was sind die nächsten Projektziele von I Have Rights e. V.
Unsere Arbeit wirkt, und deswegen werden wir auch in Zukunft dafür kämpfen, dass Geflüchtete nicht entrechtet, eingesperrt oder unsichtbar gemacht werden: Bis heute haben wir über 1.000 Menschen zu ihren Rechten beraten, mehr als 300.000 Nachrichten auf unserer Rechtsinformationshotline beantwortet, wegweisende Urteile erstritten, europäische Gesetzgebung im Bereich Menschenhandel mitgestaltet und systematische Missstände im Umgang mit Geflüchteten aufgedeckt, etwa die medizinische Vernachlässigung von Schwangeren. Doch diese Arbeit braucht eine stabile Basis – ohne gesicherte Finanzierung können wir nur noch wenige Monate weiterarbeiten.
Wie können Personen den Verein unterstützen?
Die Verteidigung demokratischer Werte und rechtsstaatlicher Grundsätze kostet Geld, in unserem Fall rund 150.000 Euro jährlich für drei hauptamtliche Mitarbeitende, darunter unsere griechische Anwältin, zudem für unser Büro auf Samos sowie für Aufwandsentschädigungen für Sprachmittelnde. Ob zwei, zehn, 20 Euro im Monat oder eine größere Förderung – jeder Beitrag sichert unsere Unabhängigkeit und unsere Fähigkeit, weiter für ein Europa zu kämpfen, in dem jeder Mensch sagen kann: I have rights.
Für seinen Einsatz zeichnet die Studienstiftung des deutschen Volkes Greta Wessing als Finalistin im Rahmen des Engagementpreises 2025 aus.
Weitere Informationen, Kontakt und Spendenmöglichkeit
- Kontakt: Greta Wessing, E-Mail: greta.wessing(at)gmail(dot)com, info(at)ihaverights(dot)eu
- Spendenkonto: Kontoinhaber: I Have Rights e. V., IBAN: DE23 4306 0967 1263 5484 00, BIC: GENODEM1GLS (GLS Bank), Verwendungszweck: Unterstützungsaufruf Studienstiftung. Schreiben Sie bitte eine E-Mail an uns, wenn Sie eine Spendenbescheinigung wünschen. Eine Nachweispflicht via Spendenbescheinigung ist beim Finanzamt erst für Spenden ab 300 Euro nötig.
- Spendenplattform: Betterplace
- Website: https://ihaverights.eu/
- Social Media: Instagram, Linkedin
Stand: Mai 2025

