© Johannes Haas

Promotionspreise

Die Studienstiftung verleiht seit 2014 zwei Promotionspreise, um exzellente wissenschaftliche Arbeiten unterschiedlichster Fachrichtungen sichtbarer zu machen sowie auf die besondere Qualität der Promotionsförderung durch die Studienstiftung hinzuweisen.

So schließen pro Jahr rund 250 Promovenden ihre von der Studienstiftung geförderten Dissertationen ab. 55 Prozent von ihnen erzielen die Bestnote. Viele dieser ausgezeichneten Arbeiten stoßen in der Wissenschaft auf breite und fruchtbare Beachtung. 

Die beiden Promotionspreise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert und werden im Rahmen einer Festveranstaltung in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verliehen. Die Preisgelder werden getragen von den Freunden und Förderern der Studienstiftung und der Theodor Pfizer Stiftung.

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

Mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis werden herausragende Arbeiten im Bereich der Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften ausgezeichnet. Benannt ist der Preis nach dem 2012 verstorbenen Bonner Mathematiker und langjährigen Ehrenmitglied des Kuratoriums der Studienstiftung, finanziert wird er durch die Theodor Pfizer-Stiftung.

Die Preisträgerin 2018

Jessica Fintzen, Ph.D., wird für ihre Dissertation „On the Moy-Prasad filtration and stable vectors“ im Fach Mathematik an der Harvard University in Cambridge, USA, mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Jessica Fintzens Arbeit knüpft an weitreichende Vermutungen an, die der kanadische Mathematiker Robert Langlands Ende der 1960er Jahre formuliert hat. Sie verbinden Zahlentheorie mit der Darstellungstheorie algebraischer Gruppen und bilden die Grundlage für ein bedeutsames aktuelles Forschungsgebiet in der Mathematik. In ihrer Dissertation konnte die Preisträgerin neue Erkenntnisse über die Objekte auf der Seite der Darstellungstheorie gewinnen. „Jessica Fintzen beschäftigte sich mit zwei wichtigen Teilgebieten der Mathematik, deren volles Verständnis tiefgreifende Auswirkungen auf unser tägliches Leben haben könnte, zum Beispiel in der Datenverschlüsselung“, so die Jurorin Professor Dr. Mila Majster-Cederbaum. Die Preisträgerin habe sich schwieriger Fragen zu sogenannten kleinen Primzahlen angenommen und international beachtete Durchbrüche erzielt.

Jessica Fintzen, Ph.D., studierte von 2008 bis 2011 Mathematik und Physik an der Jacobs University Bremen und promovierte anschließend bis 2016 an der Harvard University in Cambridge, USA. Seit dem Abschluss ihrer Promotion war sie als Postdoctoral Assistant Professor an der University of Michigan, USA, tätig sowie als Junior Research Fellow am Trinity College der University of Cambridge in Großbritannien. Derzeit hat sie eine Postdoc-Position am Institute for Advanced Study, einem Forschungsinstitut in Princeton, USA, inne.

Die Jury des Friedrich Hirzebruch-Promotionspreises 2018

  • Prof. Dr. Dirk Abel, Regelungstechnik, Aachen
  • Prof. Dr. Julia Elisabeth Bandow, Biologie, Bochum
  • Prof. Dr. Ute Bayen, Psychologie, Düsseldorf
  • Prof. Dr. Guido Clever, Chemie, Dortmund
  • Prof. Dr. Petra Döll, Geographie, Frankfurt/Main
  • Prof. Dr. Reinhard Fischer, Biologie, Karlsruhe
  • Prof. Dr. Christian Hackenberger, Chemie, Berlin
  • Prof. Dr. Margarete Imhof, Psychologie, Mainz
  • Prof. Dr. Thomas Lohse, Physik, Berlin
  • Prof. Dr. Mila Majster-Cederbaum, Informatik, LMU München
  • Prof. Dr. Julia Tjus, Physik, Bochum
  • Prof. Dr. Benedikt Wirth, Mathematik, Informatik, Münster

Der Johannes Zilkens-Promotionspreis

Der Johannes Zilkens-Promotionspreis wird für exzellente Dissertationen in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften verliehen. Benannt ist er nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten der Studienstiftung und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Studienstiftung, dem Verein, der den Anstoß zur Vergabe der Promotionspreise der Studienstiftung gab und das Preisgeld dieses Preises trägt.

Die Preisträgerin 2018

Kathrin Wittler erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für ihre Dissertation „Morgenländischer Glanz. Eine deutsche jüdische Literaturgeschichte (1750-1850)“ im Fach Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrer Arbeit untersucht sie eine beeindruckende Bandbreite der deutschen jüdischen Literatur der Jahrzehnte um 1800 unter der Fragestellung, welche Bedeutung der Orientalismus in dieser Zeit der politischen, sozialen, aber auch semantischen Umbrüche für literarische Selbst- und Fremdzuschreibungen hatte. „Damit liefert Kathrin Wittler die Grundlage für eine Revision geläufiger Annahmen über die Umbruchszeit um 1800 und erschließt neue Perspektiven auf die Literaturgeschichte jener Zeit“, erläutert die Jury ihre Entscheidung. Mit großer Souveränität und einer außerordentlichen Sprachenkenntnis habe die Autorin ein gewaltiges Textkorpus auf äußerst anspruchsvolle Weise aufbereitet. „Dabei ist die Arbeit nicht zuletzt glänzend geschrieben und wird, weil im besten Sinne interdisziplinär hoch informiert, weit über die Literaturwissenschaft hinaus Beachtung und Anerkennung finden“, so die Jury.

Kathrin Wittler studierte von 2005 bis 2011 Deutsche Literatur und Regionalstudien Asien/Afrika an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo sie anschließend bis 2016 am Institut für deutsche Literatur promovierte. An der Humboldt-Universität war sie zunächst als Postdoktorandin im Rahmen der Exzellenz-Initiative tätig. Seit März 2017 arbeitet sie am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Die Jury des Johannes Zilkens-Promotionspreises 2018

  • Prof. Dr. Marc-Aeilko Aris, Latinistik, München
  • Prof. Dr. Sibylle Baumbach, Anglistik, Innsbruck
  • Prof Dr. Martin Clauss, Mittelalterliche Geschichte, Chemnitz
  • Prof. Dr. Rüdiger Görner, Germanistik, London
  • Prof. Dr. Bernd Grzeszick, Jura, Heidelberg
  • Prof. Dr. Wolfram Kinzig, Theologie, Bonn
  • Prof. Dr. Christiane Lemke, Politikwissenschaft, Hannover
  • Prof. Dr. Saskia Lettmaier, Jura, Kiel
  • Prof. Dr. Farzad Saidi, VWL, Stockholm
  • Prof. Dr. Alexander Schmidt, Geschichte, Jena
  • Prof. Dr. Eva-Maria Seng, Kunstgeschichte, Paderborn
  • Prof. Dr. Gottfried Vosgerau, Philosophie, Düsseldorf

Bewerbung für die Promotionspreise 2019

Um die Promotionspreise 2019 können sich alle ehemaligen Promotionsstipendiatinnen und -stipendiaten der Studienstiftung bewerben, die ihre Promotion im Zeitraum vom 1. Juli 2017 bis 30. September 2018 abgeschlossen haben und deren Dissertation mit "summa cum laude", "mit Auszeichnung" oder, bei Auslandspromotionen, mit einer äquivalenten Bewertung abgeschlossen wurde.

Bewerbungsfrist ist der 1. Oktober 2018. Die Bewerbungsunterlagen stehen hier in Kürze zum Download bereit. 

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Überblick

Hier finden Sie Informationen zu den Preisträgerinnen und Preisträgern der vergangenen Jahre.

Promotionspreise 2017

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

Dr. Kai Schuchmann wird für seine Dissertation „A hydrogen-dependent CO2 reductase: enzyme properties, applications and implications for the energy metabolism of the acetogenic bacterium Acetobacterium woodii“ im Fach Biologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Schuchmann greift in seiner Arbeit zwei der zentralen Probleme in der Nutzung erneuerbarer Energien auf, nämlich deren Speicherung und Transport.

Die Jury sprach ihm den Preis für die Entwicklung eines Verfahrens zu, mit dem sich die Energie des molekularen Wasserstoffs als flüssiger Brennstoff kompakt speichern lässt. Möglich wird dies durch eine enzymatische Umwandlung in Bakterien. Schuchmann beschreibt in seiner Arbeit, wie ein Enzymkomplex in sogenannten acetogenen Bakterien den Energieträger Wasserstoff in die Flüssigkeit Ameisensäure umsetzt. Der von Schuchmann identifizierte Enzymkomplex ist zudem in der Lage, die Rückwärtsreaktion – also die Freisetzung von Wasserstoff – zu vollziehen. Die Aufklärung des Mechanismus dieses Bio-Katalysators eröffnet den Weg zu einer biotechnologischen Alternative, Wasserstoff in flüssiger und beförderbarer Form zu speichern und konventionelle Batterien zu ersetzen. In seiner Arbeit identifiziert Schuchmann zudem ein weiteres Enzym, mit dem sich das Spektrum möglicher Ausgangsstoffe der Energiegewinnung auf Kohlenmonoxid ausdehnen lässt, das als Abgas in vielen industriellen Prozessen anfällt.

Johannes Zilkens-Promotionspreis

Dr. Christiane Bürger erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für ihre Arbeit „Kolonialgeschichte(n). Das koloniale Namibia in der Geschichtsschreibung der DDR und BRD“, mit der sie 2015 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promoviert wurde. Bürger kann zeigen, dass die Geschichte des kolonialen Namibias und die Auseinandersetzung mit dem deutschen Völkermord an den Herero und Nama bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und vor allem während der deutschen Teilung ein in BRD und DDR gleichermaßen vielbeforschtes und in unterschiedlichen Medien – etwa Fachbüchern, Romanen und Fernsehsendungen – kontrovers verhandeltes Thema war.

Ihre Arbeit bricht zudem mit dem gängigen Forschungsparadigma einer deutsch-deutschen Systemkonkurrenz und zeigt die komplexen wissenschaftlichen Verflechtungen zwischen beiden deutschen Staaten auf. Mit der Auszeichnung würdigt die Jury einen wichtigen Beitrag, die gegenwärtig anhaltende Forschungsdebatte zu historisieren. Auch zeigte sich das Auswahlgremium beeindruckt von der Themenwahl. Bürger habe eine Arbeit vorgelegt, deren gesellschaftliche Relevanz über die Grenzen Deutschlands hinaus reiche.

Promotionspreise 2016

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

Dr. Felix Günther wird für seine Dissertation „Discrete Riemann Surfaces and Integrable Systems“ im Fach Mathematik an der Technischen Universität Berlin mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Felix Günther entwickelt in seiner Arbeit einen neuen Zugang zu einer diskreten Form der klassischen komplexen Analysis, die auch außerhalb der Mathematik Anwendung findet – von der theoretischen Physik bis hin zu Computergrafiken. In der Anwendung kommen überwiegend Simulationen zum Einsatz, die ihrerseits auf der sogenannten Diskretisierung beruhen, also dem Übergang von der Analysis zu einer Theorie, die nur mit endlich vielen Zahlen rechnet. Aufbauend auf einer originellen Zerteilung von Flächen fand Felix Günther in seiner Arbeit eine Methode, mit der sich die Resultate der klassischen komplexen Analysis in einem erheblich größeren Umfang als bisher in die Welt der diskreten Mathematik übersetzen lassen.

Johannes Zilkens-Promotionspreis

Dr. David Kästle-Lamparter erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für seine Arbeit „Welt der Kommentare: Struktur, Funktion und Stellenwert juristischer Kommentare in Geschichte und Gegenwart“, mit der er 2014 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster promoviert wurde. Kästle-Lamparter analysiert in seiner Arbeit erstmals eine zentrale, als Gegenstand der Forschung bisher wenig beachtete Textgattung der Rechtswissenschaften: den Kommentar. Die Dissertation erschließt und typologisiert die „Kommentarlandschaft“, die zudem einem epochenübergreifenden historischen Vergleich unterzogen wird. So kann Kästle-Lamparter zeigen, wie der Kommentar durch juristische Diskurse geprägt wird und seinerseits auf die Diskurse zurückwirkt.

Promotionspreise 2015

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

Dr. Katharina Broch wird für ihre Dissertation "Interplay of ordering behavior and optical properties in organic semiconductor blends" im Fach Physik an der Eberhard Karls Universität Tübingen mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Katharina Broch untersucht in ihrer Doktorarbeit auf molekularer Ebene die Funktionsmechanismen organischer Halbleiter und liefert erstmals eine systematisch vergleichende Studie, die sich mit dem Einfluss der Eigenschaften der reinen Materialien auf die der Mischung auseinandersetzt.

Johannes Zilkens-Promotionspreis

Dr. Gregor Feindt erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für seine Arbeit "Auf der Suche nach politischer Gemeinschaft - Oppositionelles Denken zur Nation im ostmitteleuropäischen Samizdat" an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit seiner Dissertation zum Konzept der "Nation" in der Publizistik des Untergrund in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn leistet Feindt einen wichtigen Beitrag zur Ideengeschichte Ostmitteleuropas.

Promotionspreise 2014

Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis

2014 ging der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis an Dr. Manuel Kleiner für seine Dissertation "Metabolism and evolutionary ecology of chemosynthetic symbionts from marine invertebrates" im Fach Biologie am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie. Manuel Kleiner hat in seiner Doktorarbeit einen neuen biochemischen Mechanismus entdeckt, durch den Meereswürmer in Zusammenarbeit mit Kommensalbakterien Energie aus dem toxischen Gas Kohlenmonoxid gewinnen können.

Johannes Zilkens-Promotionspreis

Der Johannes Zilkens-Preis 2014 ging zu gleichen Teilen an:

Dr. Maximilian Preisser erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für seine Arbeit "Sovereign Wealth Funds - Entwicklung eines umfassenden Konzepts für die Regulierung von Staatsfonds" an der Bucerius Law School Hamburg. Maximilian Preisser erstellt in seiner Dissertation ein detailliert ausgearbeitetes Regulierungskonzept, das sich in die jüngst geschaffene Kapitalmarktaufsichtsstruktur der EU einfügt und deren Regelungsmechanismen nutzt. Obwohl Staatsfonds mehr als das dreifache Volumen aller Hedge-Fonds verwalten, blieben sie bislang rechtlich weitgehend unerforscht.

Dr. Wolfgang Filser widmet sich in seiner Dissertation "Die Elite Athens auf der attischen Luxuskeramik" im Fach Klassische Archäologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München der bemalten Luxuskeramik des archaischen und klassischen Athens. Die Analyse der Werke verbindet sich mit einer sozio- und kulturhistorischen Interpretation der Darstellungen auf den Keramiken selbst. Untersucht wird u.a., inwieweit die Luxuskeramik als Resultat und Ziel einer Selbstvergewisserung der Elite Athens in den Zeiten eines gesellschaftlichen und politischen Wandels fungiert.

Engagementpreis 2018

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