Finalistin des Engagementpreises 2018: Lea Babucke, Studentisches Forum für Strafgefangene (StuFoS)

Lea Babucke (rechts) bei einer Projektbesprechung mit anderen Studierenden © Studentisches Forum für StrafgefangeneLea Babucke (rechts) bei einer Projektbesprechung mit anderen Studierenden © Studentisches Forum für Strafgefangene

Lea Babucke engagiert sich gemeinsam mit anderen Studierenden im „Studentischen Forum für Strafgefangene“, das Studierende der Universität Hamburg und Strafgefangene für einen Austausch über gesellschaftliche und politische Fragen an einen Tisch bringt. Dafür wurde sie als Finalistin in der Kategorie Engagementpreis prämiert. Im Interview spricht Lea Babucke über ihre Beweggründe, bisherige Erfolge und nächste Ziele des Projekts, die sie mithilfe der Spendengelder verwirklichen möchte.

Was hat Sie zu Ihrem Engagement für das Projekt motiviert?

Die Idee, über das Projekt einen Austausch zwischen Studierenden und jugendlichen Strafgefangenen zu ermöglichen, der neue Perspektiven öffnet, hat mich begeistert. Ich finde es großartig, dass beiderseitiges Lernen im Mittelpunkt steht – und nicht der Aspekt, dass Studierende den (häufig) nicht akademisch ausgebildeten Gefangen etwas „beibringen“ sollen. Außerdem finde ich den fachübergreifenden Ansatz spannend: Studenten aus unterschiedlichen Fachrichtungen tragen zum Austausch bei, lernen voneinander und vermitteln sich alternative Sichtweisen.

Was haben Sie bislang mit Ihrem Projekt bewirkt?

Das Projekt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Billwerder hat sich seit seinem Beginn 2010 stetig vergrößert. Die Anzahl der Studierenden, die mitwirken, aber auch die Zahl Gefangenen, die teilnehmen, hat sich erheblich erweitert. Seit 2017 wird zusätzlich eine Gesprächsgruppe für Frauen angeboten. Das Studentische Forum für Strafgefangene (StuFoS) ist so zu einer festen Größe geworden. Unsere Arbeit wird sowohl von den Gefangenen als auch von den Studierenden sehr positiv wahrgenommen. Auch die JVA-Bediensteten schätzen unser Engagement in der JVA.

Was war Ihre bislang prägendste Erfahrung im Projekt?

Durch dieses Projekt habe ich einen neuen Blickwinkel bekommen. Bevor ich das erste Mal in die JVA gegangen bin, hatte ich eine primär theoretische, vor allem durch Lektüre und Filme geprägte Vorstellung von einem Gefängnis und seinen Insassen. Durch das Projekt habe ich „echte“ Menschen kennengelernt und tausche mich mit ihnen aus. Die Impulse, die ich in den Gesprächsgruppen bekomme, begleiten mich bis heute und helfen mir kritisch und aufmerksam zu sein.

Wie viele Spendengelder benötigen Sie?

Zur Umsetzung unserer Ideen benötigen wir Spendengelder in Höhe von 5.000 Euro. Hiervon sollen vor allem Reisekosten gezahlt sowie Informationsmaterialien erstellt und verbreitet werden.

Wofür werden Sie die Spendengelder einsetzen?

Mit den Spendengeldern möchten wir unser Projekt  an anderen Fakultäten vorstellen. Wir wollen andere Studierende und Lehrende ermutigen, die Idee einer organisierten Gesprächsgruppe von Studierenden und Gefangenen in regionalen JVAs aufzugreifen und ähnliche Projekte zu starten. Wir planen, zunächst zehn Fakultäten in Norddeutschland aufzusuchen und dort Informationsveranstaltungen zu organisieren.

Was sind nächste Ziele im Projekt?

Besondere Bedeutung für Studierende und Gefangene hat die Zuverlässigkeit. Die Gefangenen freuen sich auf den Gesprächstermin und verlassen sich auf die Studierenden. Sie haben häufig Zurückweisungen erleben müssen und reagieren daher sensibel, wenn Angekündigtes nicht eingehalten wird. Es ist deswegen wichtig, dass unser Projekt bestehen bleibt und stetig durch neue, engagierte Studierende gestärkt wird. Unser primäres Ziel ist daher, das Projekt zu erhalten und weiter eine Stütze für die JVA Billwerder zu sein.

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