Finalistin des Engagementpreises 2018: Anne Dietzsch, Akademie für transkulturellen Austausch (ATA)

Eine der beteiligten Studentinnen bei der Arbeit in der Handsatzwerkstatt © Johanna TerhechteEine der beteiligten Studentinnen bei der Arbeit in der Handsatzwerkstatt © Johanna Terhechte

Anne Dietzsch ist in der „Akademie für transkulturellen Austausch“ an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig aktiv, einem einzigartigen Studienangebot für geflüchtete Kunst- und Designstudierende. Dafür wurde sie als Finalistin in der Kategorie Engagementpreis prämiert. Im Interview spricht Anne Dietzsch über ihre Beweggründe, bisherige Erfolge und nächste Ziele des Projekts, die sie mithilfe der Spendengelder verwirklichen möchte.

Was hat Sie zu Ihrem Engagement für das Projekt motiviert?

Ich habe die erschreckende Erfahrung gemacht, dass Rassismus und Vorurteile sich immer offener zeigen. Mit der Akademie für transkulturellen Austausch (ATA) an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) kann ich dem etwas entgegensetzen: Junge geflüchtete Kunst- und Designstudierende können sich hier immatrikulieren, ihr Studium fortsetzen und so eine berufliche Kontinuität sicherstellen. Die ATA gibt Gelegenheit zum Innehalten, Reflektieren, Austauschen. Es ist ein konkretes Integrationsprojekt, welches die gegenseitige Neugier auf kulturelle und ästhetische Prägungen fördert.

Was haben Sie bislang mit Ihrem Projekt bewirkt?

Seit Gründung der ATA im Wintersemester 2016/2017 konnten wir schon 19 Geflüchtete unterstützen und eine Fortsetzung des Studiums ermöglichen. Auch verstehen wir die ATA als Aufforderung an  alle an der HGB Tätigen und Studierenden, zu reflektieren, was Lehre in Zeiten verstärkter Migration und Flucht bedeutet – und  dabei auch die Bedingungen transkultureller ästhetischer Praxis kritisch zu hinterfragen. Das heißt, unser Projekt wirkt deutlich über die Personen, die bei ATA lernen und lehren hinaus. Wir merken diesen Einfluss im alltäglichen Klima in der HGB, es schlägt sich in entsprechenden Veranstaltungen nieder und verschiebt  den öffentlichen Diskurs. Auch bewirkt ATA Veränderungen, insbesondere in der Wahrnehmung und Kommunikation von, über und mit Geflüchteten.

Was war Ihre bislang prägendste Erfahrung im Projekt?

Die Entwicklung von der Idee zu einem komplexen Programmstudium zeigt mir, dass Produktivität, welche ausschließlich dem eigenen Antrieb und keiner bezweckten materiellen Entlohnung entspringt, eine besondere Dynamik besitzt und viel auf den Weg bringen kann. Im Dialog mit Studierenden und Lehrenden aller Studiengänge, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Alumni fordert es intensiven Austausch über den Umgang unserer integrativen Verantwortung. Ich persönlich lerne dabei jeden Tag dazu.

Wie viele Spendengelder benötigen Sie?

Jede Spende hilft dem Projekt – wenn wir zusätzlich zu den bisherigen Spenden 5.000 Euro pro Semester einnehmen könnten, wären wir in der Lage, wirklich alle ATA-Studierenden praxisnah auszubilden.

Wofür werden Sie die Spendengelder konkret einsetzen?

Wir geben den Studierenden durch Besuche in Werkstätten, Museen und Galerien die Möglichkeit, sowohl für den Kunstbetrieb relevante Institutionen kennenzulernen als auch praxisnah an die Wissenschaftssprache herangeführt zu werden.  Bei diesen Vermittlungsangeboten fallen vorwiegend Fahrtkosten an. Den größten Posten des Sprachunterrichtes nehmen die benötigten Lehrmittel, also Lehrbücher und Hefte für die schriftliche Vorbereitung auf den TestDaF ein. Darüber hinaus wollen wir die Studierenden bei ihrer Professionalisierung unterstützen und Spenden für die Umsetzung von Ausstellungen nutzen. Solche Ausstellungsprojekte sind wichtige Gelegenheiten für die Studierenden, fokussiert zu produzieren und die eigene Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Was sind nächste Ziele im Projekt?

Der praxisnahe Sprachunterricht startet für die ATA-Studierenden Ende November. Ziel ist es, sie innerhalb von vier Semestern auf das gesetzlich geforderte Sprachniveau für einen Wechsel in einen Diplomstudiengang der Hochschule vorzubereiten. Ab November 2017 wird es an der Hochschule zudem ein Tandemprogramm geben, um sich auch auf persönlicher Ebene über kulturelle und ästhetische Erfahrungen auszutauschen und ganz nebenbei Freundschaften zu schließen.

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