Finalist des Engagementpreises 2018: Rick Wolthusen, On The Move e.V.

Rick Wolthusen während einer Brain Awareness-Unterrichtseinheit mit Public Health-Studenten in Kisumu © On The MoveRick Wolthusen während einer Brain Awareness-Unterrichtseinheit mit Public Health-Studenten in Kisumu © On The Move

Rick Wolthusen wirkt mit seinem Verein „On The Move“ in Westafrika der Stigmatisierung psychisch Erkrankter entgegen. Dafür wurde er als Finalist in der Kategorie Engagementpreis prämiert. Im Interview spricht Rick Wolthusen über seineBeweggründe, bisherige Erfolge und nächste Ziele des Projekts, die er mithilfe der Spendengelder verwirklichen möchte.

Herr Wolthusen, was hat Sie zu Ihrem Engagement für das Projekt motiviert?

Im Rahmen eines medizinischen Praktikums bin ich 2012 erstmals in Kontakt mit einer psychiatrischen Institution in Ghana gekommen. Dabei musste ich feststellen, dass die Patienten stigmatisiert, weggesperrt und gefoltert werden. Ziel unseres Projekts ist es, die Bedingungen so zu verbessern, dass eine menschenwürdige Behandlung möglich wird. Um das zu erreichen, möchten wir den Patienten Kenntnisse und Fähigkeiten an die Hand geben, ihre Interessen selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu verfolgen. Der Schlüssel hierfür ist Bildung.

Was haben Sie bislang mit Ihrem Projekt bewirkt?

Mit unseren Informations- und Aufklärungsveranstaltungen, die sich an die allgemeine Bevölkerung wenden, erreichen wir zusammen mit unseren lokalen Partnern  monatlich ungefähr 500 Einwohner des Ketu South Districts im Osten Ghanas. Durch die damit verbundene Entstigmatisierung erhöht sich zum Beispiel der Anteil der psychiatrischen Konsultationen im Krankenhaus langsam aber kontinuierlich. Zudem bilden wir betroffene Patienten vor Ort aus, stellen sie anschließend in einem von uns betriebenen Geschäft für Fahrradreparaturen und andere handwerkliche Dienstleistungen an und ermöglichen ihnen so die Finanzierung ihrer Behandlung.

Was war Ihre bislang prägendste Erfahrung im Projekt?

Nach knapp zwei Jahren können wir stolz berichten, dass dank des rehabilitativen Ansatzes kein Patient im Beobachtungszeitraum einen Rückfall erlitten hat. Außerdem ist es uns in den letzten Jahren gelungen, das Projekt inhaltlich nach und nach in die Hände unserer lokalen Partner sowie Patientinnen und Patienten zu geben. Die Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten zu sehen und zu erleben, wie sie wieder Anschluss in der Gesellschaft finden, motiviert uns sehr.

Wie viele Spendengelder benötigen Sie?

Mit insgesamt 22.500 Euro könnten wir im Laufe des nächsten Jahres ein Rehabilitationszentrum realisieren und außerdem eine unterstützende Umgebung aufbauen – etwa durch die Gründung von Patientenbeiräten und -interessengruppen sowie einer breit angelegten Informations-, Awareness- und Öffentlichkeitskampagne.

Wofür werden Sie die Spendengelder konkret einsetzen?

Finanziert werden sollen die Anmietung einer Immobilie und der Kauf von Lehr- und Lernmaterialien wie Laptops und Fachbüchern, aber auch die Ausstattung einer Schneiderei, eines Cafés, einer Bibliothek sowie von Therapie- und Ruheräumen für die Patienten. Spenden benötigen wir zudem, um die laufenden Kosten für Betriebsausgaben sowie Personalkosten (Honorarkosten für Ausbilder und Gehaltskosten) für das erste Jahr zu stemmen. Die Gelder helfen uns auch bei der Kampagnenarbeit, mit der wir für das Thema mentale Gesundheit eine Öffentlichkeit schaffen und Radiokampagnen, Infomaterialien oder Ausstellungen entwickeln möchten.

Was sind nächste Ziele im Projekt?

Das Rehabilitationszentrum soll in zwei Jahren finanziell weitestgehend unabhängig von „On The Move e.V.“ sein. Gleichzeitig sollen die Patientinnen und Patienten im Rahmen der Anstellung verschiedene Stufen durchlaufen. Sie beginnen als Mentees, werden nach einem Jahr zu Mentoren. Unser Wunsch ist es, sie so fit zu machen, dass sie nach dem zweiten Jahr medizinisch stabil genug und inhaltlich gewappnet sind, um sich für externe Jobs zu bewerben. Gleichzeitig bleiben sie uns als Alumni erhalten und setzen sich in Interessengruppen für mentale Gesundheit ein – sowohl im Sinne eines präventiven Ansatzes als auch für die angemessene Behandlung und Integration von psychiatrisch erkrankten Patienten.

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