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Studienstiftung vergibt Promotionspreise 2019: Arbeiten aus der Physik und Altorientalischen Philologie ausgezeichnet / Preisverleihung am 13. Mai 2019

Bonn, 21. Januar 2019. Die Promotionspreise der Studienstiftung gehen 2019 an die Altorientalistin Jana Matuszak und den Physiker Jan Vogelsang. Die Nachwuchswissenschaftler erhalten je 5.000 Euro für ihre mit Bestnote abgeschlossenen Arbeiten.

Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften geht an Jana Matuszak für die erste vollständige philologisch-kritische Edition des sumerischen Streitgesprächs „Zwei Frauen B“, eines Schlüsseltextes der altorientalischen Literatur.

Die Jury des Friedrich Hirzebruch-Preises für Naturwissenschaften und Mathematik prämierte Jan Vogelsangs Vorstoß auf dem Feld der Elektronenmikroskopie. Der Physiker entwickelte eine neue Methode, mit der sich besonders schnelle Prozesse im Nanobereich noch besser und weitgehender als bisher abbilden lassen.

„Die Studienstiftung zeichnet zwei Arbeiten aus, die in ihrem jeweiligen Gebiet Maßstäbe setzen“, sagt Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung. „Beide finden besonders innovative Zugänge zu ihren Forschungsthemen, die so auch für weitere interdisziplinäre Forschungen erschlossen werden.“ Die prämierten Dissertationen zeigten beispielhaft, was die individuelle Förderung besonders begabter und engagierter junger Menschen zu bewirken vermag.

Für die Promotionspreise 2019 wurden insgesamt 82 Projekte eingereicht. Voraussetzung für die Bewerbung ist eine mit „summa cum laude“ oder „Auszeichnung“ bewertete Promotion. Über die Vergabe der Preise entscheiden zwei Jurys aus namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Die Studienstiftung vergibt die mit je 5.000 Euro dotierten Promotionspreise seit 2014. Mit den Auszeichnungen werden außergewöhnliche akademische Leistungen von Stipendiatinnen und Stipendiaten sichtbar gemacht.

Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für herausragende Arbeiten in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ist nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten der Studienstiftung und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Studienstiftung benannt.

Der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis erinnert an den 2012 verstorbenen Bonner Mathematiker, ein langjähriges Ehrenmitglied des Kuratoriums der Studienstiftung, und wird für exzellente Dissertationen in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurwissenschaften vergeben.

Beide Preise werden im Rahmen einer Festveranstaltung am 13. Mai 2019 in Berlin verliehen. Die Preisgelder tragen der Verein „Freunde und Förderer der Studienstiftung des deutschen Volkes“ und der „Theodor Pfizer Stiftung zur Unterstützung der Studienstiftung“.

Die Preisträger im Überblick:

Dr. des. Jana Matuszak erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für ihre Dissertation „‚Und du, du bist eine Frau?!’ Untersuchungen zu sumerischen literarischen Frauenstreitgesprächen nebst einer editio princeps von ‚Zwei Frauen B’”, die sie im Fach Altorientalische Philologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen anfertigte. Mit ihrer Arbeit hat sie erstmals ein literarisches Streitgespräch in sumerischer Sprache erschlossen, das zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. in Babylonien verfasst wurde. Die Jury würdigte Matuszaks Dissertation als bedeutenden Beitrag zur Grundlagenforschung in ihrem Fach sowie zur Weiterentwicklung der Editionstechnik sumerischer Texte. Darüber hinaus gelinge Matuszak mit ihrer Promotion der Brückenschlag zu breiteren literatur- und kulturwissenschaftlichen Diskursen, etwa der Dialog- und Genderforschung. Diese interdisziplinären Perspektiven, die Jana Matuszak in ihrer Analyse geschickt miteinander verknüpft, eröffnen nicht nur neue Zugänge zu alten Texten und unterstreichen deren fortdauernde Aktualität, sondern bieten zudem wichtige Impulse für weitere Forschungsbereiche über die Altorientalische Philologie hinaus.

Jana Matuszak studierte von 2007 bis 2013 Altorientalische Philologie, Vorderasiatische Archäologie und Religionswissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen, wo sie von 2014 bis 2017 auch promovierte. 2009/2010 verbrachte sie einen einjährigen Studienaufenthalt an der School of Oriental and African Studies (SOAS) University of London. Sowohl während ihres Studiums als auch während der Promotion erhielt Matuszak ein Stipendium der Studienstiftung. Matuszak wurde für ihre Dissertation bereits mit dem Promotionspreis der International Society of Assyriology ausgezeichnet. Seit September 2018 forscht und lehrt Matuszak an der SOAS University of London.

Dr. Jan Vogelsang wird für seine Dissertation „Ultrafast Point-Projection Electron Microscopy“ im Fach Physik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis ausgezeichnet. Vogelsang entwickelt in seiner Arbeit eine neue experimentelle Methode, mit der sich ultraschnelle Prozesse auf Nanometerlängenskala abbilden lassen. So nutzt er Elektronenpulse, die nur wenige Femtosekunden dauern, um, ähnlich wie bei der Blitzlicht-Fotografie, den temporären Zustand einer Nanostruktur festzuhalten. Die Jury würdigte dies als wissenschaftlichen Durchbruch. Vogelsangs Entwicklung eines neuartigen Elektronenmikroskops verschiebe deutlich die zeitliche und räumliche Auflösung des bisher Messbaren. Die von ihm erprobte Methodik verspricht neue Einsichten in die Physik schneller Prozesse auf der Nanoskala, die etwa die Entwicklung neuer Halbleiterelektronik erlauben und zu einem weitergehenden Verständnis der Dynamik von Biomolekülen führen können. Vogelsangs Forschung führte bereits zu mehreren Publikationen in einschlägigen Fachmedien sowie zwei Patenten.

Jan Vogelsang absolvierte von 2007 bis 2010 seinen Bachelor Physik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg sowie seinen Master an der Ludwig-Maximilians-Universität München (2010 bis 2012). Für seine Promotion, für die er von der Studienstiftung gefördert wurde, kehrte er anschließend nach Oldenburg zurück. Seit dem Abschluss seiner Dissertation im Oktober 2017 arbeitet Jan Vogelsang als Postdoktorand an der Universität Lund, Schweden. Für seine Forschungsarbeit wurde ihm das renommierte Marie-Skłodowska-Curie-Stipendium der Europäischen Kommission zugesprochen.

Weitere Informationen zu den Promotionspreisen der Studienstiftung.