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10/12/2021

Im Einsatz für Bildungsgerechtigkeit: Lernen im Video-Chat

Stipendiatin Katharina Bach. Schülerin mit Mentorin Maria Matveev während einer Eins-zu-eins-Lernsituation im Video-Chat.

Das Projekt „Lern-Fair“ des Vereins „Corona School e.V.“ wird im Rahmen des Deutschen Engagementpreises 2021 mit einem Sonderpreis für Engagement in der Corona-Pandemie ausgezeichnet. Damit ehrt die Jury den Einsatz von Studierenden für besonderen Zusammenhalt während der Pandemie. Die Studienstiftung des deutschen Volkes gratuliert den Stipendiatinnen und Stipendiaten, die „Lern-Fair“ mit aufgebaut haben, sehr herzlich!

Studierende begleiten Schülerinnen und Schülern individuell und kostenlos beim Lernen über Video-Chat. Diese Idee ist 2020 aus der Not heraus während der Corona-Pandemie entstanden. Seitdem hat sich das Projekt „Lern-Fair“ bundesweit zu einem Aushängeschild für digitales Lernen entwickelt. Ein Team aus ganz Deutschland – darunter unter anderem die Stipendiatinnen und Stipendiaten Katharina Bach, Maria Matveev, Annalena Lange, Sebastian d’Huc und Alumnus Lukas Pin – setzt sich für Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen ein und bietet seit 2020 digitale, kostenfreie Bildungs- und Förderangebote für Schülerinnen und Schüler während der Corona-Pandemie an.

Digitale Eins-zu-eins-Lernunterstützung: Über „Lern-Fair“ konnten bisher 14.000 Lerntandems initiiert werden

Bei deinen Hausaufgaben kommst du alleine nicht voran? Wir helfen dir, deine Aufgaben besser zu verstehen und Lösungen zu finden.“ – mit diesem Angebot wendet sich das „Lern-Fair“-Team auf seiner Website an Kinder und Jugendliche. Wer das kostenfreie Angebot annehmen möchte, registriert sich über die Website, dann startet automatisch ein Matching-Prozess und eine passende Studentin oder ein Student wird gefunden. Nun beginnt das Lerntandem und vereinbart individuell Termine und Themen.

Auf diese Weise konnten über die Lernplattform „Lern-Fair” bisher etwa 14.000 Lerntandems im Rahmen der Eins-zu-eins-Lernunterstützung initiiert werden. Dabei werden Schülerinnen  und Schüler aus allen Jahrgangsstufen von der 1. bis 13. Klasse aus allen Schulformen begleitet.

Jury des Deutschen Engagementpreises beeindruckt von der „Innovationskraft einer jungen Generation“

Die Jury des Deutschen Engagementpreises überzeugt am Projekt „Lern-Fair“ insbesondere die „Innovationskraft einer jungen Generation, die in einer globalen und sozialen Krise solidarisch eine digitale Lösung für mehr Bildungsgerechtigkeit platziert“.

Stipendiatinnen und Stipendiaten der Studienstiftung engagieren sich mit dem Projekt „Lern-Fair“ und dem Verein „Corona School e.V.“ ehrenamtlich und tragen dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler auch während der Pandemie nicht den Anschluss an den schulischen Lernstoff verlieren. Durch die pandemiebedingten Schulschließungen und Distanzunterricht seien viele Eltern und Kinder überfordert, sagt die Stipendiatin Katharina Bach, die im Kernteam des Vereins aktiv ist. In der Corona-Pandemie entwickelten sich Wissensstand und Bildungschancen höchst unterschiedlich, denn nicht alle Familien könnten sich Nachhilfe und Laptops leisten.

Das Team möchte vor allem jene Kinder und Jugendlichen erreichen, die keine oder nur sehr eingeschränkt Möglichkeiten haben, herkömmliche Bildungsangebote wie zum Beispiel bezahlte Nachhilfe wahrzunehmen.

„Der sozioökonomische Status eines Kindes sollte nicht entscheidend sein für dessen Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten – leider ist das aber für viele der 2,8 Millionen von Armut betroffenen Kinder in Deutschland der Fall, wie die Corona-Pandemie deutlich gezeigt hat. Viele Schülerinnen und Schüler verlieren im klassischen Schulsystem den Anschluss und damit auch oft die Motivation. Gleichzeitig gibt es aber auch ganz viele Menschen, die etwas gegen diese Chancenungerechtigkeit tun möchten und diese bringen wir dann bei Lern-Fair mit den Kindern und Jugendlichen zusammen“ sagt Katharina Bach.

„Über unsere Plattform ermöglichen wir Studierenden einfache und dennoch sehr wirksame Möglichkeiten für ein soziales Engagement.“

Über die Plattform werde Studierenden „einfache und dennoch sehr wirksame Möglichkeiten für ein soziales Engagement ermöglicht“. Das sei „eine richtige Win-Win-Situation für Schülerinnen, Schüler und Studierende, bei der beide Seiten durch die Interaktion voneinander lernen und profitieren können“, sagt Bach.

Lehramtsstudierende können zudem ein digitales Praktikum bei „Lern-Fair” absolvieren, um Erfahrungen in der digitalen Lehre zu sammeln, und werden dabei von ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren betreut. Insgesamt 15.000 registrierte Studierende und 60 Koordinierende engagieren sich für diese Angebote und setzen sich dafür ein, dass das Projekt auch über die Pandemie langfristig einen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit im Bildungswesen leistet.

„Wir arbeiten remote über ganz Deutschland verstreut zusammen“

„Mich begeistert die Funktionsweise von Lern-Fair: Viele motivierte und engagierte Menschen, die über ganz Deutschland verstreut sind, arbeiten remote zusammen und ziehen an einem Strang, um gemeinsam einen großen Beitrag für gerechtere Bildungschancen zu leisten. Wir möchten mit unserem Einsatz Türen für Schülerinnen und Schüler öffnen, indem wir sie sowohl schulisch als auch auf persönlicher Ebene unterstützen“, so Katharina Bach. Die 24-Jährige studiert Psychology-Learning Sciences an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2017 ist sie Stipendiatin der Studienstiftung und unterstützt gemeinsam mit weiteren Geförderten Kinder und Jugendlichen auf ihren Bildungswegen im Projekt „Lern-Fair“.
 
„Lern-Fair“ ist ein Projekt des Vereins „Corona School e. V.“ aus Bonn. Die Studienstiftung hat dieses gesellschaftliche Engagement 2021 ausgezeichnet (Interview mit der Stipendiatin Maria Matveev). Weitere Informationen finden Sie hier.

Mitmachen bei „Lern-Fair“:

Bereits mit wenigen Stunden Zeitaufwand pro Woche können Studierende sich im Rahmen der 1:1-Lernunterstützung engagieren und sich damit auch für Bildungsgerechtigkeit einsetzen. Eine Registrierung ist unter www.lern-fair.de möglich.

Ebenfalls ausgezeichnet: „Vorbilder – Future of Ghana Germany e.V.“

Ebenfalls ausgezeichnet wurde im Rahmen des Deutschen Engagementpreises in der Kategorie „Chancen schaffen“ das Projekt „Vorbilder – Future of Ghana Germany e. V.“ von Alumnus Phillip Harms. Das Projekt richtet sich seit 2016 an junge Schwarze Menschen. Durch gezieltes Mentoring mit persönlichen Gesprächen, Workshops und Ausflügen ermutigen und fördern die Schwarzen Mentorinnen und Mentoren die Entfaltung von Begabungen und Möglichkeiten ihrer Mentees. So entstanden bereits mehr als 100 Patenschaften.