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25/01/2022

Erstmals Lieselotte Pongratz-Promotionspreis verliehen: Studienstiftung zeichnet herausragende gesellschaftswissenschaftliche Dissertationen mit eigenem Preis aus

Exzellente Dissertationen auf dem Gebiet der Gesellschaftswissenschaften zeichnet die Studienstiftung ab sofort mit dem Lieselotte Pongratz-Promotionspreis aus. Die Auszeichnung wird erstmals im Januar 2022 vergeben.

Die Soziologin und Kriminologin Lieselotte Pongratz (1923 – 2001) ist Namensgeberin für einen neuen gesellschaftswissenschaftlichen Promotionspreis, den die Studienstiftung ab 2022 jährlich verleiht. Seit 2014 hat die Studienstiftung jedes Jahr zwei Promotionspreise ausgelobt – den Johannes Zilkens-Preis für geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Promotionen und den Friedrich Hirzebruch-Preis für Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Somit konnten von 2014 bis 2021 insgesamt 17 herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler prämiert werden. Der Lieselotte Pongratz- Promotionspreis kommt nun als dritter Promotionspreis hinzu, der Johannes Zilkens-Preis bleibt fortan Arbeiten aus den Geisteswissenschaften vorbehalten.

„Mit dem neuen Promotionspreis erinnern wir an unsere Alumna Lieselotte Pongratz, die sich als ausgezeichnete Wissenschaftlerin verdient gemacht hat und mit ihrer Bildungsbiografie für die Initiative und Hartnäckigkeit unserer Geförderten steht. Lieselotte Pongratz‘ Wirken ist von einer  hohen Sensibilität für soziale Ungleichheiten geprägt. Ihre Forschung verband sie mit dem Transfer der Erkenntnisse in die Gesellschaft – etwa im Beirat einer Strafvollzugsanstalt, wo Häftlinge im Überleitungsvollzug durch sozialpädagogische Begleitung auf die Entlassung vorbereitet werden sollten“, sagt Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung.

Dritte Professorin für Kriminologie in der Bundesrepublik

Lieselotte Pongratz wurde 1973 Professorin für Soziologie und 1975, als dritte Frau in Deutschland, Professorin für Kriminologie an der Universität Hamburg.

In ihrer Forschung befasste sie sich unter anderem mit der Straffälligkeit von Kindern, mit der Entwicklung von Jugendlichen aus sozialen Randgruppen sowie  mit der Sozialisation von Kindern von Prostituierten. Hierbei zeichnete sie sich durch interdisziplinäre Ansätze aus. Sie setzte sich etwa dafür ein, dass Forschungsarbeiten der Sozialpädagogik und Sozialarbeit auch in den Studienplänen der Medizin, Sozial- und Rechtswissenschaften Eingang fanden. Ende der 1970er Jahre wirkte Pongratz maßgeblich an der Gründung des Aufbaustudiums Kriminologie mit, das in seiner interdisziplinären Ausrichtung die Grundlage für die erste Diplom-Ausbildung für Kriminologie in der Bundesrepublik bildete. Bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1986 forschte und lehrte sie in Hamburg.

Stipendium der Studienstiftung ermöglicht Lieselotte Pongratz ein Studium in London

Pongratz musste auf ihrem eigenen Bildungsweg Hürden überwinden: Da ihr Vater, von Beruf Buchdrucker, zur Zeit des Nationalsozialismus 1933 aus politischen Gründen seine Stellung bei einem Zeitungsverlag verlor und während ihrer Schulzeit mehrere Jahre arbeitslos war, blieb Lieselotte Pongratz der Zugang zu einer höheren Schule verwehrt. Ein Übergang in eine höhere Schule war ihr aus finanziellen Gründen nicht möglich. Pongratz erwarb ihre Hochschulzugangsberechtigung mit 31 Jahren über die Begabtenabiturprüfung, die Personen ohne Abiturzeugnis den Weg zur Universität öffnete. Ab 1954 studierte sie Soziologie, Kriminologie, Jugendstrafrecht und Psychologie in Hamburg, von 1956 bis 1962 war sie Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und konnte in diesem Zuge auch einen Auslandsaufenthalt an der London School of Economics verwirklichen.

Von 1969 bis 1973 wirkte die ehemalige Stipendiatin dann als Vertrauensdozentin der Studienstiftung.

Nach ihrer Emeritierung förderte Lieselotte Pongratz den wissenschaftlichen Nachwuchs und setze sich mit der Gründung einer Stiftung dafür ein, dass Studierende und Promovierende der Kriminologie und der sozialen Arbeit ihre Forschungsprojekte erfolgreich beenden.

Über die Promotionspreise der Studienstiftung

Die Studienstiftung des deutschen Volkes zeichnet jährlich Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus, denen es mit ihren Dissertationen gelungen ist, Impulse zu setzen, die weit über die Fachgrenzen hinausgehen.

Die Studienstiftung vergibt in den drei Sektionen Geisteswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften sowie Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften drei mit jeweils 5.000 Euro dotierte Promotionspreise:

  • Der Johannes Zilkens-Promotionspreis prämiert ab 2022 herausragende Arbeiten in den Geisteswissenschaften. Benannt ist der Preis nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten der Studienstiftung und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Studienstiftung, der das Preisgeld dieses Preises trägt. Von 2014 bis 2021 wurde der Preis für Arbeiten in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften verliehen.
  • Der Lieselotte Pongratz-Promotionspreis wird ab 2022 jährlich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler vergeben, die herausragende Forschungsergebnisse in ihren Dissertationen in den Gesellschaftswissenschaften erzielen konnten. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro trägt der Verein der Freunde und Förderer der Studienstiftung.
  • Der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis wird seit 2014 für exzellente Dissertationen in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurwissenschaften vergeben. Benannt ist der Preis nach dem 2012 verstorbenen Bonner Mathematiker und langjährigen Ehrenmitglied des Kuratoriums der Studienstiftung; finanziert wird er durch die Theodor Pfizer-Stiftung.

Um die Promotionspreise können sich ehemalige Promotionsstipendiatinnen und Promotionsstipendiaten der Studienstiftung bewerben, deren Dissertation mit „summa cum laude“, „mit Auszeichnung“ oder, bei Auslandspromotionen, mit einer äquivalenten Bewertung abgeschlossen wurde.

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