Akademie Olang 2016: Stipendiatin Daphne Tokas im Gespräch

Daphne Tokas war 2016 in Olang zum ersten Mal auf einer Akademie der Studienstiftung © Daphne TokasDaphne Tokas war 2016 in Olang zum ersten Mal auf einer Akademie der Studienstiftung © Daphne Tokas

Daphne Tokas (23) möchte später in der Film- oder Theaterbranche arbeiten. Deshalb studiert sie Theater-, Film- und Medienwissenschaften, Ästhetik und Philosophie im Masterstudium an der Universität in Frankfurt/Main. Die Akademie Olang 2016 war die erste Akademie, an der die Stipendiatin der Studienstiftung teilgenommen hat. Und nach den spannenden Erfahrungen, die sie dort gemacht hat, vermutlich auch nicht die letzte.

Warum haben Sie sich für die Akademie Olang beworben?

Die dort angebotenen Arbeitsgruppen haben mich sehr angesprochen. Ich wollte gerne etwas mit Theater machen, am liebsten interdisziplinär arbeiten. Die Arbeitsgruppe  „bRecht – literarisch-juristische Werkstatt“ hat mir genau diese Möglichkeit geboten. Hinzu kommt die schöne Natur in Olang und Umgebung – dort kann man tolle Ausflüge und Wanderungen machen.

Wie hat Ihnen Ihre Arbeitsgruppe gefallen?

Am Anfang war ich skeptisch, da unsere Arbeitsgruppe hauptsächlich aus Juristinnen und Juristen bestand. Ich war mir unsicher, ob ich hier als Literaturwissenschaftlerin richtig bin. Aber letztlich bin ich positiv überrascht, weil es mir fachlich wirklich viel gebracht hat.

Was haben Sie gelernt?

In der Literaturwissenschaft empfinde ich im Umgang mit Texten eine gewisse Unsicherheit, da es viele verschiedene Methoden der Interpretation gibt, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Die juristische Auslegung von Texten hingegen ist methodisch klar definiert und vorgegeben, eindeutig. In der Arbeitsgruppe haben wir die dramatischen Texte von Bertolt Brecht als Gesetz betrachtet und ausgelegt und für bestimmte Positionen im Text Plädoyers entwickelt, die wir vorgetragen und diskutiert haben. Dabei war ich zwar wissenschaftlich nicht mehr neutral, sondern vielmehr parteiisch. Aber es hat mir sehr geholfen, um die Handlung und einzelne Motive besser nachzuvollziehen. Dieser neugewonnene Blickwinkel ermöglicht es mir jetzt, anders an Texte heranzugehen.

Worin liegt für Sie der Unterschied zwischen einer solchen Arbeitsgruppe und einer regulären Veranstaltung an der Hochschule?

Der experimentelle Charakter. Die Dozentinnen und Dozenten an den Hochschulen versuchen häufig, den Studierenden in kurzer Zeit möglichst viel zu vermitteln. Dafür trauen sie sich aber nicht, mal ein bisschen zu experimentieren. In Olang hingegen durften wir sehr viel ausprobieren. Wir haben die Inhalte der Arbeitsgemeinschaft nach und nach zusammen mit unseren Dozentinnen erarbeitet, indem wir viel diskutiert und modelliert haben. Es war zum Beispiel klar, dass wir in Form von Plädoyers und anschließender Diskussion und Evaluation arbeiten – aber wie diese genau aussehen sollen, haben wir selbst entwickelt

Was haben Sie in Ihrer freien Zeit gemacht?

Ich habe versucht, möglichst viel Neues auszuprobieren. Ich dachte mir, es geht nicht nur darum, 180 neue Menschen kennenzulernen, sondern auch gemeinsam etwas zu unternehmen. Ich habe viele Ausflüge und Wanderungen gemacht, war am Wochenende in Venedig und habe zum ersten Mal Paragliding ausprobiert.

Wie haben sie die anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten wahrgenommen?

Es ist großartig, so viele wunderbare Menschen auf einmal zu treffen, mit denen man auf einer Wellenlänge ist. Menschen, die den gleichen Humor haben. Die einen auch für ihre eigenen Sachen begeistern können. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich in dieser kurzen Zeit so gut und intensiv kennenlernt. Ich war auch überrascht, dass man den Leuten gar nicht anmerkt, was sie studieren. Das ist fast irrelevant. Viele Stipendiatinnen und Stipendiaten haben ganz breit gestreute Interessen. Manche kennen sich auch mit Theater besser aus als ich, obwohl sie es gar nicht studieren.

Was war der schönste Augenblick?

Ich habe viele schöne Augenblicke gehabt – zum Beispiel jeden Morgen in den Frühstücksraum zu kommen und zu sehen, dass sich schon alle angeregt unterhalten und Spaß haben. In der Arbeitsgemeinschaft habe ich mich immer sehr darüber gefreut, wenn andere offen und ehrlich auf die Gedanken eingegangen sind, die man selbst entwickelt hat, auch wenn sie dem eigenen Denken vielleicht fremd sind.

Wie war die Atmosphäre?

Es ist eine kleine, in sich geschlossene Welt, mit vielen interessanten Einzelcharakteren, die zusammenkommen. Jeder bringt sich auf seine Weise ein, bietet etwas an. Manche wollen ausführlich über bestimmte Themen diskutieren, andere lieber singen, tanzen oder musizieren. Und alle sagen sich: Wir haben nur diese zwei Wochen – da machen wir es uns so schön wie möglich! Das setzt besondere Kräfte frei und sorgt für eine ganz einzigartige Stimmung.

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