Direkt zum Inhalt

Direkt zur Navigation

Stipendiaten / 

Porträts

Laura Kmoch

Sustainable Tropical Forestry

University of Copenhagen

„Mein Praktikum in Nepal hatte eine weichenstellende Funktion für meinen weiteren Studienverlauf. Nach den fünf Monaten dort habe mich mit Begeisterung und echter Überzeugung für ein Masterstudium mit Spezialisierung im Entwicklungskontext begonnen.“

Laura Kmoch (25) studiert im Masterstudiengang Sustainable Tropical Forestry der University of Copenhagen und der Bangor University in Wales. Während ihres Bachelor-Studiums verbrachte sie bereits ein Studiensemester in Canberra, Australien. Für ein fünfmonatiges Praktikum in Nepal wurde sie mit einem Mühlfenzl-Stipendium gefördert.

Sie haben ein Praktikum in Nepal gemacht - was haben Sie dort gemacht und was hat Sie dazu motiviert?

Direkt nach Abschluss meines Bachelorstudiums bin ich, gefördert durch die Mühlfenzelstiftung, für ein fünfmonatiges Praktikum nach Nepal gegangen. Unterstützt durch meine Kollegen einer lokalen NGO habe ich dort an einer Evaluierung einiger Projektaktivitäten gearbeitet. Zusammen mit der Partnerorganisation aus Deutschland waren in den Haushalten mehrerer Projektdörfer Biogasanlagen und effizientere Kochöfen installiert worden, um die Lebenssituation der Menschen vor Ort zu verbessern. Außerdem dient die Initiative direkt dem Waldschutz, da der lokale Bedarf an Brennholz drastisch reduziert werden kann. Ich habe vor Ort Interviews mit über 50 Haushalten und zwei Gesundheitsstationen geführt, um diese Erfolge zu dokumentieren.

Die Motivation zu meinem Aufenthalt dort war zunächst, vor Beginn des Masterstudiums praktische Arbeitserfahrung zu sammeln und Kenntnisse, die ich im Studium erworben hatte, einem „Realitätstest“ auszusetzen. Außerdem wollte ich die Lebensumstände und den Arbeitskontext in einem Entwicklungsland kennenlernen, bevor ich mich für eine Studienspezialisierung auf diesem Gebiet entschied.

Inwiefern haben Ihre Auslandsaufenthalte Sie fachlich und persönlich weiter gebracht?

Fachlich habe ich durch meine Auslandsaufenthalte vor allem viel Methodenverständnis erworben. In Australien habe ich Techniken der Kohlenstoffinventur kennengelernt, während ich in Nepal vor allem sozialwissenschaftliche Methoden, wie Interviews anwendete. Diese Kenntnisse kann ich nun viel sicherer anwenden und weiß auch, wo die Grenzen der einzelnen Herangehensweisen liegen. Hinzu kommen unersetzbare „Alltagsarbeitserfahrungen“: Wie gehen die Kollegen im Ausland im täglichen Geschehen miteinander um und wie sehen die organisatorischen Strukturen aus? Wie organisiere ich in Australien telephonisch schnell Ersatz für ausgefallene technische Geräte? Worauf muss ich bei der Arbeit mit einem Übersetzer Rücksicht nehmen? Wie plane ich Feldarbeiten in Nepal, wo es keine mit dem Auto zu befahrenen Straßen zu den Projektdörfern gibt, und von welchen landwirtschaftlichen Produkten leben die Farmer dort?

Mein Aufenthalt in Nepal hatte außerdem eine weichenstellende Funktion für meinen weiteren Studienverlauf. Ich habe mich bereits vor dem Praktikum dort, für eine Spezialisierung im Entwicklungskontext interessiert. Doch erst nach einigen Monaten vor Ort war ich mir wirklich sicher, dass ich mit Begeisterung und echter Überzeugung ein solches Masterstudium beginnen wollte.

Mein Nepalaufenthalt war nicht zuletzt auch eine große persönliche Herauseforderung. Ich war zuvor bereits viel gereist. Es war jedoch eine ganz besondere Erfahrung, auf mich allein gestellt den Alltag in dieser sehr anderen Kultur zu verstehen und anzunehmen. Dazu gehören schwierige Erfahrungen, z.B. das Fehlen von heißem Wasser oder Elektrizität für 14 Stunden am Tag und die lang anhaltende Kälte in unbeheizten Unterkünften. Viel mehr im Gedächtnis bleiben mir jedoch unvergessliche Momente wie Hochzeiten in den Dörfern im Frühling oder meine erste „Bussfahrt“ zur Arbeit in einem VW-Bus mit 21 Fahrgästen auf neun Sitzplätzen. In diesen fünf Monaten habe ich definitiv mehrfach meine eigenen Grenzen kennen und überwinden gelernt, Schwächen erkennen müssen und Vertrauen in meine Fähigkeiten gewonnen.

Was bedeutet es für Sie, Stipendiatin der Studienstiftung zu sein?

Als Stipendiatin der Studienstiftung bin ich in der glücklichen Position, mich frei von finanziellen Sorgen auf mein Studium konzentrieren zu können. Die Förderung erlaubt mir Studienwünsche, wie beispielsweise Auslandsaufenthalte zu verwirklichen, die sonst sehr viel schwerer umsetzbar wären. Außerdem habe ich in den anderen Stipendiaten ein durchaus internationales Netzwerk gefunden. So lernte ich gleich nach meiner Ankunft in Kopenhagen einige andere Studenten und Alumnis kennen, die hier ebenfalls einen Teil ihrer Studienzeit verbringen. Begegnungen mit anderen Stipendiaten habe ich bisher immer als große Bereicherung empfunden, und mich über interessante Gespräche gefreut.

Ein Tipp für andere Studierende?

Ich kann euch nur empfehlen persönliche Ängste, sei es vor Zeitverlust oder Unbekanntem, zu überwinden und für einige Zeit ins Ausland zu gehen, sollte sich die Möglichkeit dazu ergeben! Erfahrungen, die man dort sammelt, sind mit denen aus dem Studienalltag nicht zu vergleichen. Sprecht andere Studenten, die bereits im Ausland waren an und hört, was sie erlebt haben. Oder bereitet euch zusammen mit Kommilitonen auf ein entsprechendes Vorhaben vor und erlebt so gemeinsam Planungsstress und Vorfreude. Und wer selbst nicht ins Ausland gehen will – geht auf internationale Studenten zu, die an eure Hochschule kommen. Sie müssen viele neue Kontakte knüpfen und freuen sich über Austausch und Interesse!

Kopenhagen, April 2013