Dank der Förderung durch die Studienstiftung habe ich zwölf Monate an der Columbia University in New York studiert. Bereits kurz nach meiner Landung am John F. Kennedy Flughafen erdrückte mich die schwüle Hitze der Großstadt. Es war Mitte August und wie ich später lernte, die Hochzeit des „urban heat island effects“ (Wärmeinseleffekt). Meine erste Woche in New York verbrachte ich mit Einführungsveranstaltungen der Universität, Akklimatisierung in der neuen Umgebung und Wohnungssuche. Dank des Studienstiftungsnetzwerkes konnte ich die Couch einer Stipendiatin als Sprungbrett zum eigenen WG-Zimmer nutzen.
Gemeinsam mit mir begannen im August 2012, 42 andere junge Menschen zwischen 22 und 37 Jahren den Studiengang „Klimawissenschaften“ an der Columbia University in New York City. Die Hintergründe meiner Kommilitonen waren genauso vielfältig wie Ihre Herkunft. Unter meinen Kommilitonen befanden sich eine peruanische Klimaaktivistin, ein Geologe aus Wyoming, ein norwegischer Architekt, ein chinesischer Chemiker, ein indischer Journalist, sowie eine New Yorker Modedesignerin. Jeder Einzelne hat den Einfluss des Klimawandels in seiner Arbeit zu spüren bekommen und es sich zur Aufgabe gemacht, die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels zu explorieren. Das Masterstudium in den USA benötigt oft weniger fachliche Vorkenntnisse als vergleichbare Ausbildungen in Deutschland. Stattdessen wurde mehr Wert auf gute Noten, Arbeitserfahrung und sonstige Auszeichnungen bei meiner Bewerbung gelegt. Die akademische Aufgeschlossenheit der Vereinigten Staaten erlaubte es mir, mit einem Bachelor in Betriebswirtschaftslehre diese ungewöhnliche Spezialisierung in Klimawissenschaften zu absolvieren.
Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass diese beiden Fachgebiete eine größere Schnittmenge haben als allgemein angenommen wird. Die Versicherungsbranche zum Beispiel kämpft mit wachsenden Schäden und neuen Risikoprofilen durch klimaverursachte Katastrophen wie beispielsweise Überflutungen und Wirbelstürme. Ein anderes Beispiel ist die Beschaffungslogistik von internationalen Unternehmen, in der es vermehrt zu klimabedingte Störungen kommt.
Der enge Kontakt zu Professoren sowie der intensive Stundenplan erlaubten es mir nicht, die Bücher zu vernachlässigen und dem großen Freizeitangebot New Yorks zu verfallen. Das amerikanische Bildungssystem legte einen besonderen Fokus auf kontinuierliche Leistungskontrollen und ausführliche Seminararbeiten, dafür erhielt man zeitnahes Feedback und maßgeschneiderte Hinweise von Professoren zur Verbesserung der eigenen Leistung. Neben dem breitgefächerten akademischen Gebot der Universität konnten Studenten auch außerhalb des Unterrichts durch Veranstaltungen, Konferenzen und „Brownbag Lunches“ (Kurzvorträge in der Mittagspause) profitieren. Ich wirkte vor allem bei Podiumsdiskussionen und Symposien im Bereich Energiepolitik und Clean Technology als „Volunteer“ in der Organisation mit. Die Kontakte, die ich durch dieses Engagement aufgebaut habe, blieben mir für den Rest des Studiums erhalten.
Oft musste ich Kompromisse eingehen, Prioritäten setzten und einem straffen Zeitplan folgen, denn es fanden regelmäßig mehrere Veranstaltungen zur gleichen Zeit statt. Ich habe sowohl beim Auslandstreffen der Studienstiftung in Portland, Oregon, als auch beim ERP-/McCloy Treffen in Washington teilgenommen. Ich hatte den Eindruck, dass meine Stipendiatenkollegen ebenso wie ich von dem vielfältigen Angebot der amerikanischen Universitäten begeistert und zugleich von der Qualität der Vorträge und Redner überwältigt waren. Besonders das Treffen der Studienstiftungen in Portland im Oktober 2012 hat mir sehr geholfen, die ersten Eindrücke zu verarbeiten und meine Erfahrungen mit anderen deutschen Studenten zu teilen. Die Mischung aus unterschiedlichen Altersgruppen und Studiengängen sowie die themenbezogenen Workshops und Vorträge ergaben eine entspannte Atmosphäre, in der nicht nur Studienthemen diskutiert sondern auch Reisepläne geschmiedet wurden.
Das ERP-/McCloy-Treffen im April 2013 fand in Washington statt. Ich habe mich gefreut, Stipendiaten, die inzwischen Freunde geworden sind, wiederzusehen und mehr über ihre Berufspläne beziehungsweise weitere akademische Laufbahn zu erfahren. Die kleinere Zahl der Teilnehmer sowie die Vertrautheit durch vorige Treffen haben das Wochenende in Washington geprägt. Vorträge von derzeitigen Studenten und Alumni des Programms haben mir sehr geholfen, Kontakte in meinem Berufsfeld in den USA und Deutschland aufzubauen.
Dank der ERP-Förderung konnte ich im Sommer 2013 ein unvergütetes Praktikum in der Klimafinanzierungsabteilung von „The Nature Conservancy“ in New York annehmen. Diese Nichtregierungsorganisation (NGO) ist dem Umwelt- und Artenschutz verpflichtet. Im Besonderen unterstützte ich Projekte im Bereich Klimafinanzierung für kleine Inselstaaten mit Fokus auf ökosystembasierte Anpassung an den Klimawandel und Förderung von Regenerativen Energien. Die Klimafinanzierungsabteilung arbeitet eng mit anderen Internationalen Organisationenund der Vereinten Nationen, zusammen. Ich erhoffte mir von diesem Praktikum wertvolle Arbeitserfahrung und Kontakte zu sammeln, die mir helfen werden in der Zukunft die transatlantische Klimazusammenarbeit voranzutreiben und innovative Finanzierungsmechanismen zu entwickeln, die sowohl dem Klima als auch betroffenen Ländern zu Gute kommt.
Das ERP-Programm hat mir geholfen, in der Schnittmenge zwischen Betriebswirtschaft und Klimawissenschaften selbstbewusst und professionell agieren zu können. Abgesehen von der finanziellen Förderung, die mir meinen Auslandsaufenthalt in den USA ermöglicht hat, profitierte ich sehr von dem persönlichen Netzwerk der Studienstiftung. Das Stipendium schuf die Vorraussetzungen, mit Stipendiaten in anderen Fachbereichen und Städten, durch beispielsweise meine Teilnahme an der German Conference in Harvard, in Kontakt zu bleiben. Ich habe einen großen Wert darauf gelegt in die amerikanische Kultur einzutauchen. Trotzdem empfand ich es als beruhigend zu wissen, dass es ein Netzwerk an Studenten gibt, auf das ich im Notfall zurückgreifen kann. Ich denke, dass mir das ERP Stipendium in diesem Rahmen eine gewisse Sicherheit und Selbstvertrauen gegeben hat, welche mir geholfen haben meine Pläne zu verwirklichen.

