Julia Roggatz (24) studiert Medieninformatik an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Während ihres Bachelorstudiums machte sie ein Auslandspraktikum im Silicon Valley.
Sie haben ein Praktikum in San Francisco gemacht - was hat Sie dazu motiviert?
Es handelte sich dabei um ein Auslandspraktikum im Rahmen meines Studiums. Das Praktikum hätte ich auch in Deutschland absolvieren können, aber mich zog es ins Silicon Valley, weil das ja bekanntlich das Epizentrum der Tech-Industrie ist. Ich beschäftige mich derzeit hauptsächlich mit der Entwicklung von iPhone Apps und wollte dort vor allem praktische Erfahrungen sammeln, aber auch Kontakte knüpfen und herausfinden, ob mir das Leben in den USA gefallen könnte.
Wie haben Sie den Aufenthalt organisiert und sich darauf vorbereitet?
Beim Finden einer Praktikumsstelle half mir ein Bekannter, der bis vor Kurzem in San Francisco gewohnt hatte und bereits viele Kontakte in der Branche hatte. Nachdem die Stelle sicher war, suchte ich mir eine Organisation, die den Visumsprozess abwickelt – dies ist gerade für die USA leider ein sehr aufwändiger und auch teurer Prozess. Aufgrund von Kontingentsengpässen musste ich den Zeitraum meines Praktikums etwas nach hinten verschieben – glücklicherweise war sowohl die Hochschule als auch der Betrieb dort recht flexibel. Als ich endlich mein Visum bekam, suchte ich mir ein Zimmer in einer WG über das Online-Kleinanzeigenportal Craigslist (in den USA so ziemlich die erste Anlaufstelle bei der Wohnungssuche) und buchte meine Flüge.
Inwiefern hat der Aufenthalt Sie fachlich und persönlich weiter gebracht?
Die Erfahrungen eines Auslandsaufenthalts sind unbezahlbar. Fachlich hat mir das Praktikum beigebracht, einen flexibleren und besser strukturierten Code zu schreiben und insgesamt disziplinierter und sorgfältiger zu programmieren. Es macht einen großen Unterschied, ob man alleine an einem Projekt arbeitet das einfach "funktionieren" soll oder ob man mit dem Wissen programmiert, dass auch andere den eigenen Code verstehen, benutzen und ggf. weiterentwickeln müssen.
Persönlich hat der Aufenthalt mir einen Haufen neuer Freunde geschenkt, meinen Horizont in mehr als einer Hinsicht erweitert und mir viele unvergessliche Erlebnisse beschert. Ich bin der Meinung auch schon vorher ein sehr selbstständiger und unabhängiger Mensch gewesen zu sein, der in großen Dimensionen denkt, aber nach ein paar Monaten auf der anderen Seite der Welt habe ich nun noch mehr das Gefühl von "die Welt steht mir offen, ich könnte überall hin und mir dort ein Leben aufbauen (und werde das ganz sicher auch tun)". Kosmopolitismus nennt man das wohl.
Was bedeutet es für Sie, Stipendiatin der Studienstiftung zu sein?
Es erfüllt mich mit Stolz und bekräftigt in mir das Gefühl, in meinem Leben bisher die richtigen Wege gegangen zu sein.
Ein Tipp für andere Studierende?
Hetzt nicht zu sehr mit Eurem Studium. Wenn Ihr es euch leisten könnt, nehmt Euch die Zeit und genießt das Studierendendasein. Ich kann auch jedem empfehlen, während des Studiums zu arbeiten, sofern es mit Eurem Studienfach bzw. angestrebten Beruf zu tun hat. Ich habe während meines gesamten Studiums nebenbei relevante praktische Erfahrungen gesammelt – das verschafft mir auf dem Arbeitsmarkt einen enormen Vorsprung vor meinen Mitstudenten. Und natürlich: Geht ins Ausland!
Berlin, März 2013

