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20/01/2016

Studienstiftung vergibt Promotionspreise 2016: Arbeiten aus der Mathematik und Rechtswissenschaft ausgezeichnet / Preisverleihung am 6. Juni 2016


Bonn, 20. Januar 2016. Die Träger der Promotionspreise 2016 der Studienstiftung des deutschen Volkes stehen fest: Felix Günther erhält den Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis für seine Dissertation in der Mathematik. Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften geht an den Juristen David Kästle-Lamparter.

Beide Preisträger schlossen ihre Arbeiten mit Bestnote ab und überzeugten die Jurys durch originelle Perspektiven und die Erschließung bislang wenig beachteter Forschungsobjekte. So eröffnet der Mathematiker Felix Günther mit seiner Promotion einen neuen Zugang in die komplexe Analysis. Die Dissertation von David Kästle-Lamparter entdeckt den Kommentar als Textgattung zum Rechtsvergleich.

„Die Auszeichnung geht an zwei außergewöhnliche Nachwuchswissenschaftler, die es geschafft haben, mit ihren Arbeiten ihr Fach weiter zu denken“, sagt Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung. Die Preisträger verdeutlichten nicht zuletzt das insgesamt hohe Niveau der Promotionsförderung. „Auch in diesem Jahr hatten die Juroren die so schöne wie schwierige Aufgabe, zwischen 81 exzellenten Bewerbungen aus den verschiedensten Fachgebieten auszuwählen.“

Von jährlich rund 250 durch die Studienstiftung geförderten Promotionen schließen im Mittel 58 Prozent mit „summa cum laude“ oder mit Auszeichnung ab. Zwei Drittel dieser exzellenten Arbeiten wurden für den Promotionspreis 2016 eingereicht. Kriterium für die Auszeichnung ist dabei einzig die wissenschaftliche Qualität der Doktorarbeiten, über die zwei Jurys aus namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beraten und die Preisträger auswählen.

Seit 2014 vergibt die Studienstiftung die mit je 5.000 Euro dotierten Promotionspreise, um außergewöhnliche akademische Leistungen unterschiedlichster Fachbereiche sichtbarer zu machen. Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für herausragende Arbeiten in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ist nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten der Studienstiftung und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer benannt. Der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis erinnert an den 2012 verstorbenen Bonner Mathematiker, der langjähriges Ehrenmitglied des Kuratoriums der Studienstiftung war, und wird für herausragende Dissertationen in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurwissenschaften verliehen.

Beide Preise werden im Rahmen einer Festveranstaltung am 6. Juni 2016 in Berlin verliehen.

Die Preisträger im Überblick:

Dr. Felix Günther wird für seine Dissertation „Discrete Riemann Surfaces and Integrable Systems“ im Fach Mathematik an der Technischen Universität Berlin ausgezeichnet. Felix Günther entwickelt in seiner Arbeit einen neuen Zugang zu einer diskreten Form der klassischen komplexen Analysis, die auch außerhalb der Mathematik Anwendung findet – von der theoretischen Physik bis hin zu Computergrafiken. In der Anwendung kommen überwiegend Simulationen zum Einsatz, die ihrerseits auf der sogenannten Diskretisierung beruhen, also dem Übergang von der Analysis zu einer Theorie, die nur mit endlich vielen Zahlen rechnet. Dabei bleiben viele der mächtigen „Werkzeuge“ aus der komplexen Analysis anwendbar. Aufbauend auf einer originellen Zerteilung von Flächen fand Felix Günther in seiner Arbeit eine Methode, mit der sich die Resultate der klassischen komplexen Analysis in einem erheblich größeren Umfang als bisher in die Welt der diskreten Mathematik übersetzen lassen. „Bereits bekannte Theorien werden hierdurch vereint und entscheidend verallgemeinert“, erläutert Juror Professor Benedikt Wirth. Die Jury war beeindruckt von der enormen Kreativität des erst 25-jährigen Mathematikers, der aus einer zunächst einfach wirkenden Grundidee ein umfassendes und konsistentes Theoriegebäude entwickelte.

Felix Günther studierte von 2007 bis 2011 Mathematik an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der ETH Zürich und promovierte anschließend bis 2014 an der Technischen Universität Berlin. Seit September 2014 forscht er als Postdoktorand am European Post-Doctoral Institute for Mathematical Sciences, zu dem sich elf europäische Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen haben. Zur Zeit arbeitet Günther am Institut des Hautes Études Scientifiques in Bures-sur-Yvette (Frankreich).

Dr. David Kästle-Lamparter erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für seine Arbeit „Welt der Kommentare: Struktur, Funktion und Stellenwert juristischer Kommentare in Geschichte und Gegenwart“, mit der er 2014 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster promoviert wurde. Kästle-Lamparter analysiert in seiner Arbeit erstmals eine zentrale, als Gegenstand der Forschung bisher wenig beachtete Textgattung der Rechtswissenschaften: den Kommentar. Die Dissertation erschließt und typologisiert die „Kommentarlandschaft“, die zudem einem epochenübergreifenden historischen Vergleich unterzogen wird. So kann Kästle-Lamparter zeigen, wie der Kommentar durch juristische Diskurse geprägt wird und seinerseits auf die Diskurse zurückwirkt. Die Jury würdigte in ihrer Begründung insbesondere die Originalität der Fragestellung sowie die souveräne methodische Vorgehensweise und hob zudem hervor, dass die Dissertation überzeugend historische Detailstudien verschiedener Epochen zu einem Gesamtbild zusammenfüge.

David Kästle-Lamparter absolviert seit April 2014 ein Rechtsreferendariat am Oberlandesgericht Stuttgart. Ab 2002 studierte er Rechtwissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und nahm 2003 parallel das Studium der Griechischen Philologie auf. 2007 bis 2008 verbrachte er an der University of Oxford, wo er den Magister Juris mit Auszeichnung ablegte. Für seine Promotion, an der David Kästle-Lamparter von 2010 bis 2014 arbeitete, erhielt er bereits den Ernst-Rabel-Preis für Dissertationen der Gesellschaft für Rechtsvergleichung sowie den Dissertationspreis der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

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